US-Vizepräsident Pence betet an Jerusalemer Klagemauer

US-Vizepräsident Pence an der Klagemauer

US-Vizepräsident Mike Pence hat am Dienstag vor der Klagemauer in dem von Israel annektierten Ost-Jerusalem gebetet. Der Stellvertreter von Präsident Donald Trump legte die Hand auf die Mauer, verharrte eine Weile in Andacht und steckte dann gemäß der jüdischen Tradition einen Zettel in eine Ritze zwischen den alten Steinblöcken. Die Zettel enthalten gewöhnlich Gebete oder Wünsche.

In das Buch für Ehrengäste schrieb der evangelikale Christ Pence, der eine schwarze Kippa trug, Gott möge das jüdische Volk segnen und stets auch den Staat Israel. Seine Frau Karen Pence verneigte sich andächtig in dem Frauen vorbehaltenen Bereich an der religiösen Stätte des Judentums.

Journalistinnen, die über den Besuch des US-Vizepräsidenten an der Klagemauer berichten wollten, beschwerten sich über die Ungleichbehandlung mit Männern an dem heiligen Ort. Gemäß den religiösen Regeln wurden sie von ihren männlichen Kollegen getrennt und hatten dadurch eine schlechtere Sicht auf Pence. Tal Schneider, Redakteurin der israelischen Zeitung "Globes", sagte der Nachrichtenagentur AFP, sie fühle sich als "Bürgerin zweiter Klasse". Verantwortlich sei die US-Botschaft, die sie eingeladen habe.

Auch Trump hatte im vergangenen Mai als erster amtierender US-Präsident demonstrativ die Klagemauer besucht. Wegen des umstrittenen Status Jerusalems ließ er sich - ebenso wie am Dienstag Pence - vom Rabbiner der Klagemauer, Schmuel Rabinowitz, und von keinem Vertreter der israelischen Regierung begleiten.

Israel hatte im Sechs-Tage-Krieg 1967 den von Palästinensern bewohnten Ostteil Jerusalems samt der historischen Altstadt besetzt und 1980 annektiert. Die UNO erkennt die Annexion Ost-Jerusalems ebenso wenig an wie die jüdischen Siedlungen in besetzten Palästinensergebieten.

Der Status von Jerusalem ist eine der heikelsten Fragen im Nahost-Konflikt. Trump hatte im vergangenen Dezember ganz Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt. Damit brach er mit einem jahrzehntelangen internationalen Konsens, wonach der Status von Jerusalem erst in einer Friedensvereinbarung mit den Palästinensern festgelegt werden soll. Diese beanspruchen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaats.

Trump hatte mit seinem Schritt internationale Kritik auf sich gezogen und wütende Proteste vor allem in muslimischen Ländern ausgelöst. Pence gab am Montag in einer Rede vor dem israelischen Parlament bekannt, dass die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem Ende 2019 erfolgen werde. Zugleich rief er die Palästinenservertreter auf, Friedensverhandlungen mit den Israelis zu führen.

Rabinowitz dankte Pence für die Entscheidung zu Jerusalem. Er erklärte, Trump habe gesagt, was "offensichtlich" sei: "Jerusalem ist Israels ewige Hauptstadt - seit immer und für immer."