US-Vizepräsident Pence besucht nach Gewalttat texanische Kleinstadt

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Kreuze für die Opfer in Sutherland Springs

Nach der Attacke auf Kirchgänger im texanischen Sutherland Springs hat US-Vizepräsident Mike Pence vor Ort mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer gesprochen

Nach der Gewalttat in einer Kirche in Texas hat US-Vizepräsident Mike Pence den Ort des Angriffs besucht. Pence sprach in Sutherland Springs am Mittwoch (Ortszeit) mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer. "Der Glaube ist stärker als das Böse", sagte Pence. Unterdessen brachten die Demokraten im US-Senat eine neue Gesetzesinitiative gegen Sturmgewehre ein, die jedoch keine Erfolgsaussichten hat.

"Das amerikanische Volk ist bei Ihnen", sagte Pence vor der Kirche. Er sei gekommen, um sich davon zu überzeugen, dass die Gemeinde die "volle" Unterstützung erhalte. Zudem sagte Pence, die US-Luftwaffe werde zügig Versäumnisse bei der Weitergabe von Informationen über Vorstrafen des Täters aufklären.

Eine Verurteilung des früheren Luftwaffensoldaten wegen häuslicher Gewalt war ersten Erkenntnissen zufolge nicht in die zentrale Datenbank zur Überprüfung von Schusswaffenkäufern eingetragen worden. Später nahm Vizepräsident Pence mit der trauernden Gemeinde an einem Abendgebet im Football-Stadion einer Schule teil.

Der 26-jährige Ex-Soldat und Sicherheitsmann Devin Kelley hatte am Sonntag auf die Kirchgänger in Sutherland Springs geschossen. Er tötete 25 Gottesdienstbesucher sowie das ungeborene Kind einer Schwangeren, das die Behörden als 26. Todesopfer auflisteten. 20 weitere Menschen wurden verletzt. Der Schütze erschoss sich nach Angaben der Polizei später selbst, nachdem er von zwei Männern angeschossen und mit einem Auto verfolgt worden war.

Am Mittwoch machten die Behörden Angaben zur Identität der Opfer. Demnach starben sieben Kinder am Ort des Angriffs, ein achtes, die siebenjährige Emily Garcia, erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Vertreter der Strafverfolgungsbehörden, der Angriff sei von einer Kamera gefilmt worden, die für die Online-Übertragung der Gottesdienste in der Kirche installiert war. Demnach tötete Kelley seine Opfer gezielt mit Kopfschüssen.

Der Schütze war in der Vergangenheit wegen psychischer Störungen in Behandlung gewesen und wegen eines tätlichen Angriffs auf seine damalige Ehefrau und seinen Stiefsohn von einem Militärgericht zu zwölf Monaten Haft verurteilt worden. Aus der Luftwaffe wurde er 2014 unehrenhaft entlassen.

Die Gewalttat in der texanischen Kirche fachte die Debatte über schärfere Waffengesetze in den USA wieder an. Die texanische Abgeordnete Nicole Collier erklärte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz: "Wir müssen mit dem Prozess beginnen, mit Waffengewalt umzugehen, und wir müssen das heute tun." Sie forderte eine Anhörung zu dem Thema.

Eine von 22 der demokratischen Senatoren eingebrachte Gesetzesvorlage zum Bann halbautomatischer Waffen hat dennoch keine Erfolgsaussichten. Die den Senat in Washington beherrschenden Republikaner versagten der Vorlage ihre Unterstützung.

Die Senatorin Dianne Feinstein von den Demokraten sagte, es sei "überfällig, Kriegswaffen von unseren Straßen zu entfernen". Zwar könne eine solche Initiative nicht alle Schussangriffe stoppen, aber es müsse ein Anfang gemacht werden.

In den USA gibt es immer wieder Debatten über eine Verschärfung der Waffengesetze - zuletzt nach dem Massenmord vom 1. Oktober in Las Vegas. Der Rentner Stephen Paddock hatte vom Fenster seines Hotelzimmers aus 58 Besucher eines Country-Festivals erschossen und hunderte verletzt. Nach diesem Massaker erklärte sogar die mächtige Waffenobby NRA ihre Bereitschaft für leichte Verschärfungen.