US-Verteidigungsministerium will Ausstellung von Guantanamo-Kunst verhindern

Die Freiheitsstatue in New York – gemalt von einem Guantanamo-Insassen. (Bild: artfromguantanamo.com/Department of Defense)

Eine Hochschule in New York zeigt in einer Ausstellung aktuell Gemälde, die von Guantanamo-Häftlingen angefertigt wurden. Das amerikanische Verteidigungsministerium will die Kunstwerke allerdings verbrennen lassen. Nun richtet sich eine Petition gegen dieses Vorhaben.

36 Bilder hängen derzeit in den Räumen des John Jay College, einer Hochschule für Kriminologie, in Manhattan. Die von Insassen des Internierungslagers Guantanamo Bay erstellten Werke sollen dort planmäßig bis Januar zu sehen sein. Doch wenn es nach dem Verteidigungsministerium der USA geht, könnte die Ausstellung noch vor der offiziellen Finissage beendet werden.

Wie der „Miami Herald“ berichtet, will das Pentagon die Kunstwerke nämlich zerstören. Die Zeitung bezieht sich dabei auf Ramzi Kassem, bei dem es sich um einen von mehreren Anwälten der Insassen handelt. Der Zeitung erzählte Kassem von einem seiner Mandanten, dem gesagt wurde, dass die „Kunst außerhalb der Gefängnisses nicht erlaubt“ sei. Wenn Häftlinge entlassen werden, „würde deren Kunst verbrannt werden.“ In der Tat hat das Pentagon in den vergangenen Jahren seine Politik im Umgang mit Insassen-Kunst geändert. Seit geraumer Zeit liegt das Eigentumsrecht an den Kunstwerken beim Staat und nicht bei den Künstlern. Und dieser könnte die Gemälde US-Medien zufolge theoretisch auch verbrennen lassen.

Die meisten Bilder der Häftlinge zeigen Impressionen vom Meer. (Bild: artfromguantanamo.com/Department of Defense)

Nun richtet sich laut „New York Post“ eine Petition gegen dieses vermeintliche Vorhaben. Bereits 350 Menschen haben unterschrieben. In der Erklärung heißt es: „Kunst zu verbrennen ist etwas, das faschistische und terroristische Regime tun – aber nicht das amerikanische Volk.“ Die Petition richtet sich an das Pentagon, US-Präsident Donald Trump und die „Joint Task Force Guantanamo“, jenes Kommando der US-Streitkräfte, das in Guantanamo Bay auf Kuba stationiert ist.

Die Bilder stammen unter anderem von den ehemaligen Guantanamo-Insassen Djamel Ameziane, Ahmad Rabbani und Muhammad Al-Ansi. Ihnen wurden Verbindungen zu islamistischen Terrororganisationen nachgesagt, die sich später als haltlos herausstellten. Die Bilder zeigen hauptsächlich das Meer und Szenerien in Meeresnähe. Dies hat mit dem Ausblick der Häftlinge zu tun. Mansoor Adafyi, eine ehemaliger Insasse von Guantanamo, der inzwischen in Serbien lebt, schrieb in einem Brief: „Wir haben immer nur in eine Richtung geschaut – zum Meer.“

Mehrere hundert Dollar sollen die Bilder wert sein. (Bild: artfromguantanamo.com/Department of Defense)

Interessierte können die Gemälde nicht nur betrachten, sondern auch erwerben. Auf „mehrere hundert Dollar“ schätzt Erin Thompson, Professorin am John Jay College, den Wert der einzelnen Werke. Da es sich bei den Bildern aber nur um Leihgaben an die Hochschule handelt, müssten Kaufwillige sich an die Anwälte der Insassen wenden, so sie eines der Ausstellungsstücke erstehen möchten.

Laut der „New York Post“ stößt die Ausstellung bei Hinterbliebenen von 9/11-Opfern auf Ablehnung. „Ich kann nicht verstehen, wie eine Hochschule eine solche Ausstellung betreiben kann“, sagt der gebürtige New Yorker Michael Burke, der bei den Anschlägen vom 11. September 2001 seinen Bruder verlor. „Es ist wie ein Schlag ins Gesicht“, sagt Jim McCaffrey, der an dem Schicksalstag vor 16 Jahren seinen Schwager verlor.

Die Ausstellung soll noch bis zum 26. Januar 2018 laufen und ist wochentags zwischen 13 und 16 Uhr geöffnet.