Ein US-Unternehmen will mit einer neuen Technologie den Automarkt aufmischen – Elon Musk hält sie für „den Untergang“, VW investiert Milliarden

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Tesla-CEO Elon Musk.
Tesla-CEO Elon Musk.

Noch im Jahr 2017 hielt Bryan Salesky Lidar-Systeme für kaum mehr als unbewiesene Konzepte. Doch aus der Masse vieler Startups mit unausgereiften Ideen fiel dem CEO von Argo AI – einem Unternehmen, das Software für autonome Autos entwickelt – eine Firma auf: Princeton Lightwave hatte tatsächlich einen funktionierenden Prototyp entwickelt. Salensky übernahm das Startup aus New Jersey, vier Jahre später ist aus diesem Prototyp nun ein fertiges Produkt geworden.

Am 4. Mai gab Argo AI bekannt, dass das Lidar-System für die erste Inbetriebnahme bereit sei. Der ursprünglich von Princeton entworfene Prototyp trägt nun den Namen „Argo Lidar“ – und soll wie viele seiner Konkurrenten auf dem Lidar-Markt ein technologischer Durchbruch sein. „Mit der Einführung von Argo Lidar“, so das Unternehmen in einer Pressemitteilung, „hat Argo AI die Hürden überwunden, die die meisten Konkurrenten daran hindern, autonome Liefer- und Fahrdienste zu kommerzialisieren.“

Vereinfacht gesagt messen Lidar-Systeme mithilfe von Lichtwellen Entfernungen von Objekten, ähnlich wie bei einem Infrarot-Radar. Bei autonom fahrenden Autos sollen sie die Umgebung des Wagens erfassen und verhindern, dass es zu Unfällen kommt. Viele Autobauer sind überzeugt, dass die Sensoren ein wesentliches Werkzeug für autonomes Fahren sind. Lediglich Tesla setzt auf Kameras und Radare, Elon Musk hält Lidar-Sensoren für Unfug. „Jede und jeder, der sich auf Lidar verlässt, ist dem Untergang geweiht“, sagte Musk auf dem Autonomy Day 2019 von Tesla.

„Kaum zu übertreffen bei Reichweite, Schärfe und Detailgenauigkeit“

Anders sehen es Salesky und Argo AI. Der Prototyp von Princeton beeindruckte den CEO nachhaltig. „Wir brachten die Fähigkeiten, die wir bei Argo hatten, mit denen zusammen, die Princeton mitbrachte. Gemeinsam ergab diese Kombination die ideale Verbindung“, sagte Salesky im Mai 2021 in einem Interview mit Business Insider. Der Argo Lidar sei in dreierlei Hinsicht besser als die Konkurrenz: Reichweite, Schärfe und Detailgenauigkeit.

Salesky betonte, das System könne Objekte in mehr als 400 Metern Entfernung erkennen. Damit habe Argo AI zwar nicht die stärkste Reichweite – Konkurrent Luminar kommt angeblich auf 500 Meter – , allerdings halbiere sich diese Zahl bei Objekten, die die Lichtwellen nicht gut reflektieren. Für Argo Lidar hingegen soll ein geringes Reflexionsvermögen keine große Herausforderung darstellen, behauptet zumindest der Senior Director of Hardware and Firmware, Zach Little, in einem Blogbeitrag. Das Lidar-System von Argo brauche nicht viel Licht, es könne sogar ein einzelnes Photon registrieren. Ein Photon ist die kleinste Einheit von Licht, die messbar ist. „Im Vergleich zu anderen Lidar-Sensoren können wir mit der Einzelphotonen-Erkennung von Argo Lidar schwarz lackierte Autos auf die doppelte Entfernung erkennen“, schrieb Little.

Argo hat sein autonomes Fahrsystem in insgesamt in sechs Großstädten getestet, darunter Miami, Austin und Washington DC. Laut Salesky gehören diese Städte zu den am schwierigsten zu befahrenden Gebieten für selbstfahrende Fahrzeuge. Das Unternehmen plant nun, diese Tests dauerhaft fortzuführen: Zusammen mit Ford will Argo bis Ende 2022 einen autonomen Fahr- und Lieferdienst starten. Ford ist neben Volkswagen einer der beiden Investoren von Argo. Beide Unternehmen besitzen jeweils rund 40 Prozent des Unternehmens. Zuletzt hatte der deutsche Autohersteller knapp 2,1 Milliarden Euro in das Startup und seine Lidar-Sensoren investiert. Durch den Deal mit VW und Ford wird die Mitarbeiterzahl von Argo nun um 40 Prozent auf 700 aufgestockt. Die Bewertung des Unternehmens liegt derzeit bei rund 5,7 Milliarden Euro.

Argo sei zuversichtlich, dass der Sensor dem Unternehmen einen Vorsprung gegenüber dem überfüllten Feld von Startups, Tech-Giganten und Autoherstellern verschafft, die versuchen, menschliche Fahrerinnen und Fahrer durch Computer zu ersetzen. „Wir glauben, dass Argo Lidar ein großer Wettbewerbsvorteil für uns ist“, so Salesky.

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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