US-Unternehmen fürchten Zölle der EU nicht

Die EU könnte als Reaktion auf die Einfuhrzölle der USA ihrerseits hohe Abgaben auf US-Whiskey oder Harley-Davidson-Motorräder verlangen. Aber die US-Wirtschaft bleibt bei dieser Drohung ganz gelassen.

US-Präsident Donald Trump macht Ernst: Allen Warnungen aus dem Ausland zum Trotz hat er Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium beschlossen. Setzt die Europäische Union ihre Drohung einer Reaktion um, gibt es künftig eine Strafabgabe bei der Einfuhr von Bourbon und Motorrädern made in USA.

Die US-Whiskeyhersteller reagieren gelassen. Zwar seien Zölle schädlich für „die europäischen Kunden, die Gastronomie in Europa und die Produzenten in den USA“, erklärt der Lobbyverband „Destilled Spirits Council“ gegenüber der WirtschaftsWoche. Allerdings sei der Anteil von Bourbon an den Gesamtexporten nach Europa überschaubar.

Im vergangenen Jahr verkauften die US-Destillieren Hochprozentiges im Wert 789 Millionen US-Dollar in die Europäische Union. Ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Größter Exportschlager ist mit Abstand Whiskey – aber nicht Bourbon. Die Whiskeyvariante ist nur für 18 Prozent der Umsätze verantwortlich. Ein Grund: Jack Daniel’s, der mit Abstand meist verkaufte US-Whiskey in Europa, erfüllt zwar alle Kriterien eines Bourbon, wird aber nicht als solcher, sondern als „Tennessee Whiskey“, verkauft.


Brüssel hoffte bislang, mit drohenden Zöllen US-Unternehmen und -Regierung gegeneinander aufzuwiegeln. So wurden bewusst Produkte aus konservativ regierten Bundesstaaten – Bourbon aus Kentucky, Motorräder aus Wisconsin – für einen Gegenschlag auf Stahlimporte auserkoren. Das Kalkül wird nicht aufgehen, betonen Verband und Whiskeyhersteller. Zu wichtig seien die Absätze auf dem viel größeren Heimatmarkt und folglich gute Beziehungen zur dortigen Politik.

Die zahlten sich zuletzt aus: Von der US-Steuerreform profitieren die heimischen Alkoholproduzenten ebenso, wie von Lockerungen beim Alkoholverkauf an Sonntagen und Werbung rund um NFL-Spiele. „Wir sind sehr zufrieden mit dem politischen Umfeld in den USA“, sagt ein Manager einer Whiskeybrennerei in Kentucky. Etwaige Zölle aus Europa könnten die Stimmung nicht trüben. Der Wunsch der EU, einen Keil zwischen den Produzenten und der US-Regierung zu treiben, sei „utopisch“.