US-Unternehmen in Deutschland wollen trotz hoher Umsätze weniger investieren

US-Firmen fordern auch Investitionen in Digitalisierung

Trotz hoher Umsätze hat die Investitionsbereitschaft der US-Unternehmen in Deutschland deutlich abgenommen. Nur knapp ein Viertel von ihnen wollen laut einer Umfrage in den kommenden drei Jahren zehn Millionen Euro oder mehr hierzulande investieren. Gleichzeitig stieg der Umsatz der 50 größten US-Firmen in Deutschland im vergangenen Jahr um 5,5 Prozent auf 177 Milliarden Euro. Ford war vor Amazon das umsatzstärkste Unternehmen.

24 von 100 befragten US-Firmen in Deutschland wollen in den kommenden drei Jahren Investitionen in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro tätigen. Das ergab eine Umfrage für die Beratungsgesellschaft KPMG, die am Montag vorgestellt wurde. 2017 plante demnach noch fast die Hälfte der Firmen solch hohe Ausgaben. Der Anteil der Unternehmen, die gar keine Investitionen tätigen wollen, stieg von sechs auf 13 Prozent.

"Um für die für Deutschland wichtigsten Investoren attraktiv zu bleiben, müsste das komplexe deutsche Steuersystem vereinfacht und die Steuerbelastung für Unternehmen gesenkt werden", erläuterte KPMG Forderungen der Firmen. "Außerdem müssten Neuansiedlungen und Erweiterungsinvestitionen gerade im Bereich künstlicher Intelligenz stärker gefördert werden."

100 deutsche Tochtergesellschaften von US-Unternehmen wurden im Sommer im Auftrag der Beratungsgesellschaft befragt. Dabei schätzten zwar 77 Prozent ihre wirtschaftliche Lage positiv ein - das waren fünf Prozentpunkte mehr als 2017. Dennoch sahen die befragten Unternehmer zahlreiche Investitionshemmnisse in Deutschland.

Dazu zählen laut KPMG beispielsweise hohe Personalkosten und "die mangelnde Verfügbarkeit gut ausgebildeter Arbeitskräfte" sowie zu geringe Investitionen in die Digitalisierung von Staatsseite und eine ausbaufähige Infrastruktur. Die Regierung müsse "in den Netzausbau für Mobilfunk und Strom ebenso wie den Ausbau der Verkehrsnetze investieren".

"Das deutsche Wirtschaftswachstum ist, wie das europäische insgesamt, merklich abgeflacht", ergänzte am Montag Frank Riemensperger, Vizepräsident der US-Handelskammer in Deutschland (AmCham). Diese Entwicklung bekämen auch die hier aktiven US-Unternehmen zu spüren: "Ihnen fehlt in Deutschland aktuell der Stimulus, den ihnen die Politik in den USA verschafft."

Dennoch ermittelte die AmCham für die 50 größten US-Firmen in Deutschland ein Umsatzplus um 5,5 Prozent: Gemeinsam erzielten die Unternehmen im Jahr 2018 rund 177 Milliarden Euro Umsatz. Der Autobauer Ford war demnach mit 21,1 Milliarden Euro der umsatzstärkste US-Konzern in Deutschland - noch vor dem Onlineriesen Amazon (16,9 Milliarden Euro). Auf dem dritten Platz lag demnach die Mineralölgesellschaft Esso, die 2018 inklusive entsprechender Treibstoffsteuer 9,4 Milliarden Euro erwirtschaftete.