US-Studie zu Sonnenstürmen: Im Ernstfall könnte eine mehrmonatige „Internet-Apokalypse“ drohen

·Lesedauer: 3 Min.

Stürme und Regen gibt es auch im Weltraum. Zum Beispiel dann, wenn Teilchen der Sonne auf die Erde niedergehen. Dass die Erde von Aktivitäten der Sonne beeinflusst wird, ist seit langem bekannt. Sonnenwinde, bestehend aus elektrisch geladenen Gasteilchen, und stärkere Sonnenstürme verursachen auf der Erde zum Beispiel Polarlichter.

Extreme Sonnenstürme, bei denen auch Magnetfelder von der Sonne weggeschleudert werden, treffen die Erde eher selten. Den größten Teil schirmt das Magnetfeld der Erde ab. Treffen die starken elektrischen Ströme die Erde aber, was sehr selten passiert, hätte das im Ernstfall massive Auswirkungen: Datenübertragungsausfälle ungeahnten Ausmaßes. Einer der nächsten Ausfälle könnte die Erde sehr unvorbereitet treffen – das legen Forschungen der Wissenschaftlerin Sangeetha Abdu Jyothi, Assistenzprofessorin an der University of California in Irvine, nahe. Sie stellte ihre Ergebnisse auf der US-Datenkonferenz Siggcomm vor, berichtet Journalist Brandon Spector auf der Wissenschaftswebsite "sciencealert".

Schon ein kurzer massiver Sonnensturm könnte demnach eine „Internet-Apokalypse“ mit sich bringen: Große Teile der Gesellschaft wären dann von heute auf morgen für Wochen oder Monate offline, schreibt Abdu Jyothi in ihrem Forschungspapier, das noch von weiteren Fachleuten geprüft werden muss.

"Ich musste dabei an die Pandemie denken, bei der wir sehen konnten, wie unvorbereitet die Welt darauf war", sagte Abdu Jyothi gegenüber dem US-Magazin Wired. „Es gab kein Protokoll, das uns zu einem effektiven Umgang damit verholfen hätte. Genauso ist es mit der Internet-Resilienz – unsere Infrastruktur ist nicht auf einen Sonnensturm außergewöhnlichen Ausmaßes vorbereitet.“

Ein Teil des Problems im Umgang damit bestehe darin, dass die Sonnenstürme größeren Ausmaßes, sogenannte „koronale Masseauswürfe“, relativ selten seien. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solcher Sturm direkt die Erde trifft, liege Wissenschaftlern zufolge bei einer Wahrscheinlichkeit von 1,6 bis 12 Prozent in einem Jahrzehnt, wie Abdu Jyothi in ihrer Studie schreibt.

In der jüngeren Geschichte gab es nur zwei massivere Sonnenstürme, die folgenreicher für die Erde waren. Sie traten 1859 und 1921 auf. Das Ereignis von 1859, auch als Carrington Event bekannt, hatte ernste geomagnetische Störungen zur Folge. Es setzte Stromdrähte in Flammen und führte dazu, dass Polarlichter auch in Kolumbien zu sehen waren. Diese sind sonst nur in der Nähe der Pole zu sehen. Im März 1989 legte ein kleinerer Sonnensturm die gesamte kanadische Provinz Quebec für neun Stunden lahm. Seither ist die Zivilisation abhängig vom Internet geworden. Die Erforschung geomagnetischer Stürme allerdings sei ein Forschungsfeld, auf dem wenig passiere: Vor allem der Einfluss auf unsere Infrastrukturen sei noch unerforscht, sagte Abdu Jyothi auf der Siggcomm-Konferenz.

Die gute Nachricht sei, dass lokale und regionale Internetverbindungen wahrscheinlich nur gering gefährdet seien. Faseroptische Kabel seien nicht anfällig für geomagnetische Störungen. Anders ist es bei Unterseekabeln, die Kontinente miteinander verbinden. Diese Kabel sind mit Repeatern ausgestattet, um optische Signale zu verstärken. Sie sind in Intervallen von allen 50 bis 150 Kilometern angebracht. Diese Repeater sind anfällig für geomagnetische Strömungen. Ganze Kabel könnten unbrauchbar werden, sollte nur einer der Repeater ausfallen, schreibt Abdu Jyothi.

Sollten auf diese Weise Kontinente voneinander abgeschnitten werden, würde das viele Menschen erheblich treffen. Da die globale Netz-Infrastruktur sich immer weiter ausdehnt, wäre es der Forscherin zufolge sinnvoll, Vorkehrungen gegen Ausfälle zu treffen. Dazu gehören Resilienz-Tests ebenso wie die Verlegung von mehr Untersee-Kabeln von geringerer Ausdehnung. Wenn der nächste große Solarsturm bläst, werden die Menschen auf der Erde etwa 13 Stunden haben, sich auf seine Ankunft vorzubereiten, sagt sie.

jsk

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.