US-Studie: Schlafmangel soll kurzzeitig Depressionen lindern können

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Wer unter Depressionen leidet, kann laut einer aktuellen Studie offenbar mit Schlafentzug dagegenhalten – wenn auch nur vorübergehend.

Neue Studie

Wissenschaftler von der University of Pennsylvania School of Medicine in den USA haben sich eine ganze Reihe von Untersuchungen über die psychische Störung vorgenommen und dabei einen unerwarteten Zusammenhang zwischen einer Besserung der Symptome und Schlafmangel gefunden. Wie das funktionieren soll? Offenbar wird durch das Schlafdefizit die innere circadiane Uhr zurückgesetzt (sozusagen auf “Werkseinstellungen” geresettet), was kurzzeitig für eine Linderung der Depressionen sorgt. Leider kehren die Symptome jedoch zurück, sobald sich Betroffene wieder zur Ruhe betten. Zudem zeigte sich diese Wirkung nur bei 50 Prozent der untersuchten Patienten.

Schlafmangel als Antidepressivum?

Eine Erklärung haben die Forscher, die ihre Erkenntnisse im ‘Journal of Clinical Psychiatry’ veröffentlichten, leider noch nicht für dieses Phänomen – ein Grund mehr, warum der Leiter der Studie, Dr. Philip Gehrman, den antidepressiven Effekt von Schlafmangel als “bizarr” und “paradox” bezeichnet. Je weniger Schlaf ein depressiver Menschen nämlich auf lange Sicht bekommt, desto größer wird das Suizidrisiko. Zudem kann langfristiger Schlafentzug zu ernsten gesundheitlichen Problemen wie Herzkrankheiten führen. Eine Nacht könne man laut Dr. Gehrman aber ruhig mal wach bleiben, die würde noch keine bleibenden Schäden hinterlassen.

Neuronale Plastizität und Schlafmangel  

Der Studienleiter und sein Team vermuten, dass sich der Schlafmangel positiv auf die sogenannten neuronale Plastizität eines depressiven Menschen auswirkt. Dieser Begriff beschreibt die Optimierungsprozesse, die in den Synapsen, Nervenzellen und Hirnarealen einer Person stattfinden. Weil Depressionen häufig Schlafprobleme und somit einen gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus hervorrufen, ist oft auch die neuronale Plastizität eingeschränkt. Durch den Entzug von Schlaf wird offenbar der Rhythmus neugestartet, was wiederum auch Nervenzellen und Synapsen wieder in Fahrt bringt – und das schlägt sich auch positiv in der Stimmung nieder.

Damit diese Erkenntnisse praktische Anwendungen in der Medizin finden können, muss aber noch geforscht werden, für eine risikofreie Schlafentzugstherapie gäbe es derzeit laut Dr. Gehrman noch nicht die ausreichenden Ressourcen.