Am US-Anleihemarkt geht das Zittern weiter. Der Kapitalhunger des Landes besorgt die Anleger. Sie trennen sich von Staatspapieren.

Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen stieg auf den höchsten Stand seit 2014. Analyst Yardeni glaubt, die Bond-Bürgerwehr erlebt ein Comeback.


Eigentlich sind es Bond-Anleger schon gewöhnt: Seit dem vergangenen August fallen die Kurse der US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren fast kontinuierlich. Im Gegenzug steigen ihre Renditen.

Doch jetzt hat die Rendite der zweijährigen US-Staatspapiere mit 2,22 Prozent den höchsten Stand seit dem 12. September 2009 erreicht. Damit liegt sie auf dem Stand kurz vor der Pleite der US-Bank Lehman Brothers. Ihr Tief hatte die zweijährige US-Rendite im September 2011 mit nur 0,14  Prozent erreicht.

Zehnjährige US-Anleihen rentieren inzwischen mit gut 2,9 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit fast viereinhalb Jahren. Hier hatte das Tief Anfang Juli 2016 bei 1,31  Prozent gelegen.



Auslöser für den jüngsten Renditeanstieg ist der enorme Kapitalhunger des US-Staates. Am heutigen Dienstag begibt die US-Regierung kurzlaufende Geldmarktpapiere im Volumen von 151 Milliarden US-Dollar. So viel Geld sammelte der Staat noch nie an einem Tag ein.

„Die Schulden sollen das Haushaltsloch stopfen, das durch Steuerreform und beschlossene Mehrausgaben ab 2019 die Billionen-Dollar-Grenze überschreiten könnte“, erklärt Dirk Steffen, Leiter der Anlagestrategie für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Insgesamt kommen diese Woche sogar neue US-Staatspapiere für 258 Milliarden US-Dollar auf den Markt. „Damit steigt der Aufwärtsdruck für die Renditen, die die Inflationssorgen und die Aussicht auf Leitzinserhöhungen bereits hochgetrieben haben“, sagt Steffen.

Dies hat jedoch auch ein Gutes: Die Nachfrage nach neuen Papieren ist zwar zuletzt gesunken, sollte aber dank gestiegener Renditen nicht einbrechen. Die USA dürften also keine Probleme haben, genügend Investoren für ihre neuen Bonds zu finden.