US-Soldat Bergdahl kommt um Gefängnis wegen Fahnenflucht herum

US-Soldat Bowe Bergdahl (rechts) im Oktober auf dem Weg zu seiner Anhörung vor einem Militärgericht

Der US-Soldat Bowe Bergdahl, der durch einen umstrittenen Gefangenenaustausch aus den Händen der Taliban-Miliz befreit wurde, kommt um eine Haftstrafe wegen Fahnenflucht herum. Ein US-Militärrichter in Fort Bragg im Bundesstaat North Carolina verurteilte den 31-Jährigen am Freitag lediglich zu einer Geldstrafe von 10.000 Dollar (rund 8600 Euro), wie das US-Verteidigungsministerium mitteilte.

Außerdem wird Bergdahl vom Rang des Feldwebels zu dem des Gefreiten degradiert und unehrenhaft aus der Armee entlassen. US-Präsident Donald Trump kritisierte das Urteil scharf. Der Richterspruch sei eine "völlige und totale Schande für unser Land und unser Militär", schrieb Trump in einer Botschaft im Internetdienst Twitter, die er aus der Präsidentenmaschine Air Force One während des Flugs nach Hawaii absetzte.

Im Wahlkampf hatte Trump die Todesstrafe für Bergdahl gefordert. Der junge Soldat hatte im Jahr 2009 ohne Erlaubnis seinen Beobachtungsposten in Afghanistan verlassen. Kurz danach wurde er von dem mit den radikalislamischen Taliban verbündeten Hakkani-Netzwerk gefangengenommen. Die Rebellen hielten ihn fast fünf Jahre lang fest, bevor er im Mai 2014 im Tausch gegen fünf Gefangene aus dem US-Lager Guantanamo freikam.

Bergdahl hatte Mitte Oktober vor dem Militärgericht seine Fahnenflucht gestanden. Ihm sei damals bewusst gewesen, dass er gegen das Gesetz verstieß, als er seinen Beobachtungsposten verlassen habe. Bereits vor zwei Jahren hatte Bergdahl gesagt, er habe den Stützpunkt mit der Absicht verlassen, die Suchaktion zu provozieren. Die Aufmerksamkeit habe er nutzen wollen, um auf Führungsprobleme in seiner Einheit hinzuweisen.

Der Gefangenenaustausch mit den Taliban hatte seinerzeit in den USA für viel Kritik gesorgt: Die Republikaner warfen dem damaligen Präsidenten Barack Obama vor, mit "Terroristen" verhandelt und einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen zu haben. Einige von Bergdahls früheren Kameraden bezeichneten ihn als Verräter, der das Leben von US-Soldaten mit der gefährlichen Suchmission aufs Spiel gesetzt habe.