US-Sender ABC suspendiert Korrespondenten wegen Falschmeldung zu Flynn-Aussagen

Wegen einer Falschmeldung zur Russland-Affäre um US-Präsident Donald Trump hat der Fernsehsender ABC News seinen leitenden Investigativ-Korrespondenten suspendiert. Der Sender entschuldigte sich am Samstag für den Fehler und erklärte, der langjährige ABC-Reporter Brian Ross müsse vier Wochen lang ohne Gehalt pausieren. Der Fehler erfolgte in einem Bericht über die brisanten Aussagen des früheren Trump-Beraters Michael Flynn.

Der frühere Nationale Sicherheitsberater hatte sich am Freitag vor Gericht schuldig bekannt, über seine Russland-Kontakte gelogen zu haben. Ross berichtete kurz darauf, Flynn werde aussagen, dass Trump ihn während des Wahlkampfs zu einer Kontaktaufnahme mit Moskau aufgefordert habe. Später korrigierte ABC die Angabe und berichtete, seine Quelle habe vielmehr gesagt, Trumps Anweisung sei während der Übergangsphase zwischen der Präsidentschaftswahl von November 2016 und dem Amtsantritt Ende Januar erfolgt. Die Falschmeldung hatte da bereits die Aktienkurse an der Wall Street ins Taumeln gebracht.

"Wir bedauern dieser schweren Fehler von gestern zutiefst und entschuldigen uns dafür", erklärte ABC. Der Bericht des Korrespondenten habe nicht die sonst bei ABC übliche Überprüfung erfahren. Ross räumte im Kurzbotschaftendienst Twitter seinen Fehler ein und befand seine Bestrafung für richtig. "Mein Job ist es, Menschen zur Rechenschaft zu ziehen, und deshalb bin ich einverstanden, wenn ich selbst zur Rechenschaft gezogen werde."

Trump lobte auf Twitter die Reaktion des Senders und schimpfte dabei ganz allgemein über die Berichte zur Russland-Affäre: "Gratulation an @ABC News für die Suspendierung von Brian Ross für seinen schrecklich fehlerhaften und unehrlichen Bericht über die Russland, Russland, Russland Hexenjagd", schrieb er und fügte hinzu: "Weitere Sender und 'Blätter' sollten dasselbe mit ihren Falschnachrichten tun."

Im Zuge der Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller zu den Russland-Kontakten des Trump-Teams sind Flynn und drei weitere Ex-Berater Trumps angeklagt. Flynn hatte am 22. Dezember mit dem russischen Botschafter telefoniert - laut einem am Freitag veröffentlichten Gerichtsdokument im Auftrag eines "sehr hohen Verantwortlichen" des heutigen Präsidenten. In dem Telefonat ging es demnach darum zu erreichen, eine Abstimmung im UN-Sicherheitsrat zur Verurteilung der israelischen Siedlungspolitik zu verschieben oder die Resolution abschmettern zu lassen. Damals war Barack Obama noch US-Präsident.