US-Sanktionen führen zu schwarzem Tag an der Moskauer Börse

Die 50 reichsten russischen Geschäftsleute verloren einem Zeitungsbericht zufolge innerhalb eines Tages zwölf Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro)

Die neuen US-Sanktionen gegen russische Oligarchen und Unternehmen haben für einen schwarzen Tag an der Moskauer Börse gesorgt. Der in Dollar berechnete Leitindex RTS brach um 11,44 Prozent ein. Nach Angaben der Zeitung "RBK" verloren die 50 reichsten russischen Geschäftsleute innerhalb eines Tages zwölf Milliarden Dollar (9,7 Milliarden Euro). Der Kreml verurteilte die neuen Maßnahmen aus Washington scharf und sagte den betroffenen Firmen Hilfen zu.

Die US-Regierung hatte am Freitag gezielte Strafmaßnahmen gegen Firmen, Regierungsmitglieder und russische Oligarchen verhängt, die zum inneren Machtzirkel um Putin gezählt werden. Washington begründete die Sanktionen mit den "andauernden und immer dreisteren boshaften Aktivitäten der russischen Regierung überall in der Welt".

Investoren flohen in Panik aus russischen Werten. Seit der Krim-Annexion im Jahr 2014 und den darauf folgenden Sanktionen gab es an den russischen Börsen nicht mehr einen solchen Einbruch. Der in Rubel berechnete Micex gab um 8,34 Prozent nach. Die russische Währung verlor nach fast zwei Jahren der Wertsteigerung massiv gegenüber dem Euro.

Die Aktien des russischen Aluminiumkonzerns Rusal stürzten an der Börse in Hongkong um 50 Prozent ab. Durch den Preisverfall wurden mehr als 3,5 Milliarden Euro vernichtet. "Das ist hart, aber wir werden es überwinden", erklärte das Unternehmen im Online-Netzwerk Facebook.

Die Strafmaßnahmen seien "empörend", sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow klagte am Montag vor Journalisten, die US-Regierung setze sich mit den Sanktionen über "alle Regeln" hinweg.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew sagte, die Regierung prüfe bereits mögliche Hilfsmaßnahmen für die betroffenen Branchen und Unternehmen. Auch Vize-Ministerpräsident Arkadi Dworkowitsch sagte den betroffenen Firmen Hilfen zu, falls sich deren Lage aufgrund der "aktuellen Situation" verschlechtern sollte.

Die Sanktionen richteten sich gegen insgesamt 38 Geschäftsleute und Unternehmen. Unter ihnen sind beispielsweise Rusal-Chef Oleg Deripaska, Gazprom-Chef Alexej Miller und der Milliardär und mutmaßliche Schwiegersohn Putins, Kirill Schamalow.

Das russische Außenministerium hatte die Strafmaßnahmen, mit denen mögliche Bankkonten und Vermögenswerte der Betroffenen in den USA eingefroren werden, bereits am Freitag als "anti-russischen Angriff" verurteilt und eine "harte Antwort" angekündigt. Mit den Maßnahmen gegen russische Unternehmen versuche die US-Regierung, "Konkurrenten am Weltmarkt zu eliminieren".

Die Beziehungen zwischen Washington und Moskau sind durch die gegenseitigen Ausweisungen von Diplomaten ohnehin schwer belastet. Die Ausweisungen von jeweils 60 Diplomaten erfolgten im Zuge des Streits um den Giftanschlag in England auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter. Großbritannien und andere westliche Staaten machen Russland für den Anschlag verantwortlich; Moskau weist jegliche Verantwortung vehement zurück.

Die am Freitag verkündeten Maßnahmen der USA beruhen auf einem Gesetz, das der Kongress im vergangenen Jahr als Antwort auf die mutmaßlichen russischen Cyberinterventionen in den US-Wahlkampf 2016 verabschiedet hatte. Präsident Donald Trump hatte es nur zögerlich abgezeichnet, dann aber Mitte März auf dessen Grundlage eine erste Runde von Sanktionen verhängt. Durch die neuen Maßnahmen hat er die Sanktionsschraube nun deutlich fester angezogen.