US-Präsidentschaftswahl: Auch die Ältesten haben ihre Stimme abgegeben

Johannes Giesler
·Freier Autor
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Zahlreiche Wähler*innen im Alter von hundert und mehr Jahren haben in den USA gewählt. Selbst körperliche Gebrechen oder die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus haben sie nicht abgehalten. Manche sind, zu ihrem eigenen Schutz, besonders kreativ geworden.

Beatrice Lumpkin, 102-year-old former teacher, casts her vote-by-mail ballot in Chicago, U.S., October 1, 2020. in this picture obtained from social media. Soren Kyale - Chicago Teachers Union via REUTERS THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. MANDATORY CREDIT.
Beatrice Lumpkin: Sie 102-Jahre-alte Lehrerin hat ihre Stimme bereits am 1. Oktober abgegeben. In einem selbst gebastelten Schutzanzug. Foto: REUTERS

Die Wahllokale sind geschlossen. Jetzt warten Menschen – nicht nur in den USA, sondern weltweit – auf das Ergebnis der Präsidentschaftswahl. Mit Sicherheit kann bislang nur gesagt werden: Das Rennen zwischen dem republikanischen Amtsinhaber Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden ist eng. Und: Jede Stimme zählt.

Davon sind auch große Teile der Amerikaner*innen überzeugt und drücken das mit einer sehr hohen Wahlbeteiligung aus. Die könnte, das schreiben einige Medien, die höchste seit über hundert Jahren sein. Dazu beigetragen hat auch eine ganz besondere Gruppe: die Ältesten unter den Wahlberechtigten. Einige Hundertjährige (und noch ältere Menschen) hat die US-amerikanische Yahoo-Redaktion im Vorfeld der Wahl porträtiert.

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Kreativ und sicher: Mit Schutzanzug zum Briefkasten

Dazu gehört Beatrice Lumpkin. Die 102-Jahre-alte Frau aus Chicago, im US-Bundesstaat Illinois gelegen, hat seit den 1940er Jahren keine Wahl verpasst. Und das sollte sich auch an diesem Dienstag nicht ändern: In einem Schutzanzug, den ihr Urenkel eigens für sie angefertigt hatte, gab sie selbstständig ihre Stimme per Briefwahl ab.

In der texanischen Stadt San Antonio hat Sara Muniz gewählt. Für sie war es ein besonderes Datum, nicht nur aufgrund der zukunftsweisenden Präsidentschaftswahl: Sie feierte am Dienstag ihren 106. Geburtstag. Für ihren Einsatz hat sich sogar der Bürgermeister ihrer Heimatstadt, Ron Nirenberg, persönlich bei ihr bedankt. Wie ein Video auf Twitter zeigt, sagte er zu Muniz: “Sie sind heute meine Heldin.”

80 Jahre, nachdem sie das erste Mal stimmberechtigt war – damals wählte sie Franklin D. Roosevelt – hat Talu Massey wieder einen neuen Präsidenten gewählt. Die mittlerweile 103-Jährige aus Detroit, im US-Bundesstaat Michigan gelegen, sagte in einem Interview: “Als US-amerikanische Bürgerin habe ich das Recht mit meiner Stimme mitzuentscheiden, wer Präsident oder Präsidentin wird und damit die Regierung anführt.”

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Talu Massey hat gewählt, selbst mit ihren 103 Jahren. Foto: AP Photo / Paul Sancya
Talu Massey hat gewählt, selbst mit ihren 103 Jahren. Foto: AP Photo / Paul Sancya

Hillary Clinton applaudiert auf Twitter

Die 104-jährige Ruth Rosner aus New York wählte 1936 das erste Mal. Als sie dieses Jahr ihre Stimme abgab, applaudierten zahlreiche Menschen um sie herum. Rosner wurde sogar ein Hashtag auf Twitter gewidmet: “#ruthtothebooth“. Darunter äußerte sich auch die Demokratin und letzte Herausforderin Trumps, Hillary Clinton: “Wenn sogar Ruth wählen geht, haben wir anderen keine Ausrede.”

Rosner war es wichtig, dieses Jahr und inmitten der Coronavirus-Pandemie, wählen zu gehen. Denn sie hat ihren Vater im Jahr 1918 an eine ebenfalls tödliche Krankheit verloren: die Spanische Grippe.

Barrierefreies Wählen? Nicht überall möglich

Selbst ein gebrochener Arm und steife Glieder konnten die 101-jährige Bernice Chilton nicht davon abhalten, wählen zu gehen. Ein Gesetz im Bundesstaat Pennsylvania sieht es vor, dass alle Wähler*innen ihre Stimme persönlich abgeben müssen. Auch Chilton, obwohl sie aufgrund von Arthritis kaum in der Lage ist, zu laufen. Geschweige denn, Stufen zu steigen. Weil es beim Aufgang zu ihrem Wahllokal in der Stadt York aber keine Rampe gab, musste sie sich mithilfe ihrer Tochter die Treppe nach oben kämpfen. Mit Erfolg. Am Ende sagte sie: “Ich habe noch nie eine Wahl verpasst.”

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