US-Präsidentschaftskandidat Joe Biden: Ein Frauenförderer unter Verdacht

Dem Hoffnungsträger der US-Demokraten wird vorgeworfen, eine Mitarbeiterin sexuell belästigt zu haben. Nun verteidigt ihn ausgerechnet Donald Trump.

Präsidentschaftskandidat Joe Biden sieht sich mitten im Wahlkampf schweren Vorwürfen ausgesetzt (Bild: Michael Brochstein / Echoes Wire/Barcroft Media via Getty Images)

Wer solche Unterstützer hat, braucht keine Gegner mehr: Ausgerechnet Donald Trump hat seinen demokratischen Gegenkandidaten Joe Biden gegen den Vorwurf der sexuellen Belästigung verteidigt.

„Da wird man plötzlich wohlhabend, berühmt und Präsident. Und dann kommen Menschen, von denen man vorher noch nie etwas gehört oder gesehen hat, und machen solche Anschuldigungen“, sagte der US-Präsident am Freitag in einem Radiointerview. „Ich würde zu Joe Biden sagen: Gehe raus und kämpfe dagegen.“

Trump weiß, wovon er spricht

Im Laufe der Jahre haben rund 20 Frauen Vorwürfe wegen sexueller Belästigung bis hin zur Vergewaltigung gegen Trump erhoben. Bei Biden geht es um einen einzigen Fall. Doch der droht nun zu einer ernsten Belastung für seine Wahlkampagne zu werden.

Nie passiert: Biden wehrt sich gegen Missbrauchsvorwürfe

Denn anders als Trump hat sich Biden in seiner politischen Karriere als Vorkämpfer für Frauenrechte verstanden. Zudem reagiert die Demokratische Partei sehr viel sensibler auf solche Vorwürfe als Trumps Republikaner.

Tara Reade, eine ehemalige Mitarbeiterin Bidens im US-Senat, beschuldigt ihren einstigen Chef, sie 1993 in Washington bedrängt zu haben. Er habe sie im Keller eines Bürogebäudes gegen eine Wand gedrückt, unter ihren Rock gefasst und sei mit dem Finger in sie eingedrungen.

Als sie sich gewehrt habe, habe Biden sofort von ihr abgelassen. Danach, so Reade, habe sie bei der Senatsverwaltung eine Beschwerde gegen Biden eingereicht, allerdings ohne ihn darin explizit der sexuellen Belästigung zu beschuldigen. Kurz darauf sei sie entlassen worden.

Heikle Gratwanderung

Über Reades Glaubwürdigkeit wird in den USA heftig debattiert. Unmittelbare Zeugen der angeblichen Tat gibt es nicht. Doch Biden hat in der Vergangenheit gefordert, dass den Opfern sexueller Belästigung im Zweifel auch dann Glauben geschenkt werden müsse, wenn die keine Beweise vorlegen können.

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Entsprechend heikel war Bidens Gratwanderung, als er sich am Freitag in einem Fernsehinterview erstmals selbst zu Reades Vorwürfen äußerte. „Das ist nie passiert, so einfach ist das“, sagte der Präsidentschaftskandidat einerseits. Andererseits betonte er, dass in solchen Fällen „Frauen ein Recht auf Gehör haben“.

Bereits 2019 hatten mehrere Frauen, darunter auch Reade, zu Protokoll gegeben, dass sie sich in Bidens Nähe unwohl gefühlt hätten, weil er sie häufig an den Schultern oder den Haaren berührt habe. Sexuelle Absichten unterstellten die Frauen ihm damals aber nicht. Biden hatte daraufhin Besserung gelobt. Die Berührungen erklärte er mit seiner „volkstümlichen Art“.

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