US-Präsident Trump jagt Japan und Südkorea Angst ein


Donald Trump wäre nicht Donald Trump, würde ihm für seine „historische Leistung“ in Singapur am Tag eins nach dem Nordkorea-Gipfel nicht noch eine Steigerung einfallen.

Als „gigantischen Erfolg“ bezeichnete der US-Präsident das Treffen mit Kim Jong Un im Interview mit seinem Lieblingssender Fox News. Er schwärmte geradezu von dem nordkoreanischen Diktator, der riesige Straflager für politisch Andersdenkende unterhält und der sein Volk verarmen lässt. Kim sei „stark und lustig“. Und vor allem auch „schlau“.

Fox-Moderator Sean Hannity, ein enger Vertrauter des US-Präsidenten, konfrontierte Trump mit seinen früheren Verbalattacken gegen Kim. Noch vor einigen Monaten hatte Trump den Nordkoreaner als „kleinen Raketenmann“ verspottet und ihm mit „Feuer und Wut“ gedroht.


Nun sagte Trump, das sei alles Taktik gewesen, um endlich Bewegung in den Nordkorea-Konflikt zu bringen. Und der Präsident gab aufschlussreiche Einblicke in das, was er „Diplomatie“ nennt: Ohne Drohungen sei keine Verständigung möglich, erklärte er und ergänzte: „Ich denke, ohne meine harte Rhetorik wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen.“

Donald Trump, der große Dealmaker. Nicht überall allerdings wird die Euphorie geteilt. Führende Republikaner aus dem US-Kongress sehen den Gipfel skeptisch. Dass sich Pjöngjang tatsächlich auf nachhaltige, belastbare Zugeständnisse einlässt, daran glaubt man auf dem Capitol Hill noch nicht. Tatsächlich ist die Atombombe so etwas wie eine Lebensversicherung des Diktators.

Kritisch sehen viele Republikaner auch Trumps kumpelhaftes Auftreten mit Kim. Der republikanische Senator Marco Rubio sagte, Kim sei „ein totaler Irrer“. Der Senator Jerry Moran sagte, Trumps Lob für Kim sei „sicherlich nicht der Stil, wie ich einen Diktator, Despoten und Tyrannen beschreiben würde“, und der Senator John Kennedy bezeichnete Kim als „Schlächter seiner eigenen Leute“. Trump scheint sich die Bedenken zumindest anhören zu wollen: Als sich Vizepräsident Mike Pence am Dienstag mit republikanischen Senatoren traf, ließ sich Trump aus der Air Force One per Telefon dazuschalten.

Die Hauptsorge der Republikaner ist, dass das Weiße Haus den US-Kongress übergehen könnte. „Ein finales Abkommen mit Nordkorea sollte die Form eines Vertrags haben“, forderte der republikanische Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell. „Dieser wird dem Kongress zur Abstimmung vorgelegt werden müssen.“ Trumps Bruch mit dem Iranabkommen hatte allen vor Augen geführt, wie schnell internationale Absprachen rückgängig gemacht werden können, wenn sie vom Kongress nur als einfaches Gesetz beschlossen werden. Eine Wiederholung wollen die Republikaner im Fall Nordkoreas vermeiden.

Aufrüstung in Japan und Südkorea?

Die größte Sorge der Republikaner allerdings ist, dass die USA langfristig ihre Truppen aus Südkorea abziehen könnten und damit einem wichtigen Verbündeten militärischen Schutz entzögen. „Das darf nicht passieren, auf keinen Fall“, warnte die Senatorin Joni Ernst.


Tatsächlich fürchten Südkorea und Japan um ihre Sicherheit. Vor allem die Tatsache, dass Trump die gemeinsamen Militärmanöver einstellen will, hat Seoul irritiert. Abgesprochen war es jedenfalls nicht.

Deutlich wurde Japans Regierung, die weiter auf harte Sanktionen gegen Nordkorea drängt. „Die Übungen und die Stationierung des US-Militärs in Asien spielen eine vitale Rolle in Ostasiens Sicherheitsstruktur“, mahnte Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera. Und er hoffe, diese Sicht mit den USA und Südkorea zu teilen.

Auch Sicherheitsexperten teilen die Sorge. „Die Absage der US-Beteiligung an den Manövern und das Gerede vom Abzug der US-Streitkräfte gefährdet die US-Südkorea-Allianz und den Nichtverbreitungsvertrag von Atomwaffen“, warnt Bruce Bennett vom US-Thinktank Rand Corporation. Denn im Falle eines Truppenabzugs könnte Südkorea zur Atombombe greifen, ebenso Japan.

Der US-Regierung ist die Verunsicherung ihrer Verbündeten bewusst. US-Außenminister Mike Pompeo flog am Mittwoch nach Südkorea. Dort wird er zuerst den Kommandeur der US-Truppen, Vincent Brooks, informieren. Südkoreas Präsident Moon Jae In muss sich bis Donnerstag gedulden, genauso Japans Außenminister Taro Kono.

Das einzige Land, in dem die Euphorie über den Singapurgipfel keine Grenzen kennt, ist Nordkorea. Die Untertanen Kim Jong Uns erfuhren aus den Parteizeitungen von dem „Treffen des Jahrhunderts“. Ihr Führer im entspannten Gespräch mit dem US-Präsidenten: Von einer solchen Aufwertung des Landes hätte noch vor drei Monaten in Nordkorea niemand zu träumen gewagt.