US-Präsident Trump knöpft sich das Ölkartell Opec vor

Mit diesem Dämpfer dürfte die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec) nicht gerechnet haben: US-Präsident Donald Trump mag 10.500 Kilometer entfernt vom inoffiziellen Opec-Treffen in Dschidda sitzen. Doch das hinderte ihn nicht daran, die Partystimmung beim Ölkartell zu verderben.

Während das Kartell dank stark gestiegener Ölpreise so ausgelassen wie lange nicht ist, schimpfte Trump über Twitter: Es sehe ganz so aus, als sei die Opec schon wieder voll bei der Sache. „Obwohl es überall Rekordmengen an Öl gibt, inklusive der Schiffe auf See, sind die Ölpreise künstlich sehr hoch! Nicht gut und das wird auch nicht akzeptiert“, twitterte der US-Präsident.


An diesem Freitag trifft sich ein Überprüfungskomitee der Opec und seiner Partner im saudischen Dschidda. Offiziell soll die Gruppe mit Vertretern aus den Opec-Staaten Algerien, Kuwait und Venezuela sowie den beiden Partnerländern Russland und Oman überprüfen, ob die seit 2017 laufenden Förderkürzungen eingehalten werden. Erneut hat das Komitee einen Rekord festgestellt: Die Mitglieder der Vereinbarung erfüllen die Ziele mit 149 Prozent deutlich über.

Inoffiziell wird auf dem Treffen aber auch beraten, ob und wie die Förderkürzungen über 2018 hinaus verlängert werden sollen. Seit Anfang 2017 verzichten die Opec und zehn weitere Staaten, darunter Russland, täglich auf 1,8 Millionen Barrel ihrer Förderung. Damit haben sie auf das Überangebot reagiert, das durch die großen Mengen an US-Schieferöl maßgeblich mit verursacht wurde und den Ölpreis zeitweise von über 110 auf unter 30 Dollar einbrechen ließ. Ziel der Kürzungen ist es, den Markt zu stabilisieren und hohe Lagervorräte zu reduzieren.

Laut Einschätzung der Internationalen Energieagentur habe die Kürzungsallianz, die immerhin knapp die Hälfte der globalen Öl-Produktion liefert, ihre Mission schon bald erfüllt. Die Lagerbestände seien ungefähr auf dem anvisierten Fünf-Jahres-Schnitt.

„Im März lag die Abweichung der OECD-Ölvorräte vom Fünf-Jahres-Durchschnitt nur noch bei 12 Millionen Barrel. Zu Beginn der Produktionskürzungen Anfang 2017 waren es noch 340 Millionen Barrel“, erklärten die Analysten der Commerzbank. Ein Ende der Kürzungen ist aber nicht in Sicht – und vermutlich treibt genau das Donald Trump um.


In Dschidda erklärte der saudische Energieminister Khalid Al-Falih Reportern am Freitag, dass die Opec noch nicht am Ziel sei und noch Geduld zeigen müsse. Er strebt offenbar eine Verlängerung der Markteingriffe bis ins Jahr 2019 an. Medienberichten zufolge liebäugelt Saudi-Arabien mit einem Ölpreis zwischen 80 und 100 Dollar.

Zudem machte der russische Energieminister bereits Andeutungen, dass die Partnerschaft der Kürzungsallianz in einer eigenen Organisation institutionalisiert werden könnte. Einigkeit besteht aber noch nicht. Laut der russischen Nachrichtenagentur Tass könne sich Nowak sogar eine Lockerung der Ölförderbremse vorstellen – was aber nicht ausschließt, dass die Kürzungen verlängert werden.

Im Vorfeld des Treffens ist der Ölpreis angesichts der Spekulationen über eine anhaltende Zusammenarbeit auf ein Dreieinhalbjahreshoch von 74 Dollar gestiegen. Dabei würde sich nicht viel verändern, wenn es tatsächlich eine Organisation aus Opec und seinen zehn Partnern gäbe, meint Spencer Welch, Ölanalyst von IHS Markit: „Ich kann aber nicht erkennen, welchen Unterschied das machen soll. Sie arbeiten heute informell schon gut zusammen.“

Im Fokus steht vor allem eine Frage: Wie soll es weitergehen, wenn die Kürzungsallianz ihrem Ziel doch so nah ist? Wenn sie an den Markteingriffen festhalten, bräuchte die Kürzungsallianz eine neue Begründung, erklären die Rohstoff-Analysten der Commerzbank.

„Eine Möglichkeit wäre, zu einem längeren Referenzzeitraum zu wechseln, weil der Fünf-Jahres-Durchschnitt durch die sehr hohen Bestände der letzten drei Jahre nach oben verzerrt ist. Dies könnte ein Diskussionspunkt beim heutigen Treffen der Energieminister in Dschidda sein“, heißt es in einem Kommentar. Zudem könnte zur Debatte stehen, ob und wie die Länder aus den Förderkürzungen aussteigen wollen.


Wenn es nach Saudi-Arabien geht, wird zumindest diese Frage noch eine Weile aufgeschoben. Verlängert das Kartell seine Kürzungen, dürfte das den Preis weiter steigen lassen, zum Unmut von Donald Trump. Dabei dürfte die Ölindustrie in seinem Land genau davon profitieren: „Die amerikanischen Ölproduzenten können sehr schnell auf Preisanstiege reagieren“, erklärt Welch von IHS Markit.

Dank der steigenden Ölpreise lohnt sich für die Schieferölförderer in den USA das Geschäft mehr denn je: Die USA fördern aktuell 10,5 Millionen Barrel Öl pro Tag. Im November haben sie bereits Saudi-Arabien als zweitgrößten Ölförderer der Welt abgelöst und im Moment sieht es so aus, als könnten sie die Russen noch in diesem Jahr vom Thron stoßen.