Auf der letzten Sitzung von Fed-Chefin Yellen diskutierten die Zentralbanker Maßnahmen, sollte die Wirtschaft heiß laufen. Streitpunkt ist weiterhin die Inflation.


Die Lage war besser als gedacht. Einige Notenbanker korrigierten ihre Prognosen für die US-Wirtschaft auf ihrer jüngsten Sitzung nach oben. Die Steuerreform war üppiger ausgefallen, als noch im Dezember angenommen. Das weltweite Wachstum blieb auf Kurs, die Aktienmärkte lieferten immer neue Rekorde.

Auf der letzten Sitzung von Fed-Chefin Janet Yellen am 30. und 31. Januar diskutierten die Zentralbanker vor allem über die Frage, wie sie auf eine heiß laufende Volkswirtschaft reagieren sollten. Das zeigen die Fed-Protokolle, die am Mittwochabend veröffentlicht wurden.

Die Sitzung fand eine Woche vor der überraschenden Korrektur an den Märkten statt. Erst am 26. Januar hatten die Aktienmärkte einen neuen Höchststand erreicht.


„Eine Mehrheit der Teilnehmer gab an, dass mit den gestiegenen Erwartungen für das Wirtschaftswachstum auch die Wahrscheinlichkeit für ein weiteres graduelles Anziehen der Geldpolitik steigt“, heißt es in dem Protokoll. Traditionell werden darin lediglich die wichtigsten Diskussionspunkte zusammengefasst. Wer genau was gesagt hat, wird erst mit einer Verzögerung von fünf Jahren veröffentlicht.

Im Dezember war die Fed noch von drei Zinserhöhungen in diesem Jahr ausgegangen. Das Protokoll lässt nun darauf schließen, dass auch vier Schritte denkbar wären. Allerdings hat sich die Lage an den Märkten seitdem etwas verändert.

Am 5. Februar brach der US-Leitindex Dow Jones in der Spitze um über 1100 Punkte ein, bevor er sich wieder etwas erholte. Es war der größte Kursrutsch nach Punkten in der Geschichte des Aktienmarktes.

Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen stiegen auf den höchsten Wert seit vier Jahren. Auslöser könnten die Lohnsteigerungen vom Januar gewesen sein. Sie zeigten, dass der Durchschnittslohn für einen Angestellten im Privatsektor in den vergangenen zwölf Monaten um 2,9 Prozent gestiegen war – das war deutlich mehr als erwartet.


Bill Dudley, der Chef der regionalen Notenbank in New York, signalisierte nach der Korrektur an den Märkten, dass sich die Fed davon nicht ablenken lassen werde und plane, weiter an ihrem Kurs festzuhalten. Dieser sieht sowohl eine schrittweise Anhebung der Leitzinsen vor, als auch den Abbau der auf gut vier Billionen Dollar angewachsenen Bilanzsumme.

Genaueres werden Investoren jedoch in der kommenden Woche erfahren. Dann spricht Yellens Nachfolger, Jerome Powell, turnusgemäß vor Ausschüssen des Repräsentantenhauses und des Senats und stellt seinen Ausblick auf die Wirtschaft vor. Die Anhörungen sind für Mittwoch und Donnerstag angesetzt.

Beim Thema Inflation gehen die Meinungen auseinander

Gespalten ist die Fed nach wie vor beim Thema Inflation. Einige Teilnehmer der Sitzung gehen laut Protokoll davon aus, dass die US-Wirtschaft das Ziel von zwei Prozent bald erreichen werde. Einige erwarten sogar, dass die Inflation auf über zwei Prozent steigen werde.

Wiederum andere Notenbanker sind skeptisch und halten es für wahrscheinlicher, dass die Preissteigerungen weiter unterhalb der Zielmarke bleiben werden. Yellen hatte in den letzten Monaten ihrer Amtszeit immer wieder betont, dass es für die anhaltend niedrige Inflation nicht so recht eine Erklärung gebe. Sie war jedoch stets davon ausgegangen, dass dies nur eine vorübergehende Schwäche war.

Grundsätzlich jedoch sind die Notenbanker weiter besonders auf der Hut, um frühe Anzeichen einer neuen Krise schnell zu erkennen, nachdem ihnen das 2008 nicht gelungen war. Kritisch betrachten sie derzeit die hohe Verschuldung bei Finanzdienstleistern, die keine Bankenlizenz haben und somit nicht von der Fed beaufsichtigt werden.


Zudem betonten die Notenbanker, dass sie in Zeiten von lockerer werdenden Regulierungen „die Risiken für das Finanzsystem und deren Implikationen für die Wirtschaft regelmäßig überprüfen“ müssen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump arbeitet derzeit an einer Lockerung des sogenannten Dodd-Frank-Gesetzes, das nach der Finanzkrise verabschiedet wurde und die Vorschriften für Banken deutlich erhöht hat. Trumps Finanzminister, der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Steven Mnuchin, hatte einen ersten Entwurf bis Ende März angekündigt.