US-Medien berichten: Krisentreffen in Washington wegen Trump-Tillerson-Affäre

US-Präsident Donald Trump und Außenminister Rex Tillerson Ende September in New York. (Bild: AP Photo)

Seit Wochen gleicht die US-Regierung einer Seifenoper. Intrigen, Kraftausdrücke, Schuldzuweisungen – die Administration von Donald Trump ist vornehmlich mit sich selbst beschäftigt. Vor allem Außenminister Rex Tillerson bereitet dem Weißen Haus Schwierigkeiten.

Eigentlich hätte Rex Tillerson mit dem Präsidenten nach Las Vegas fliegen sollen. Donald Trump machte sich am Mittwochvormittag in die Casino-Stadt auf, um Überlebende des Massakers im Krankenhaus zu besuchen und Ersthelfern sowie Polizisten seinen Dank auszusprechen. Mit dabei sein sollte sein Stabschef im Weißen Haus, John Kelly. Doch der blieb am Mittwoch Medienberichten zufolge lieber in Washington, um eine akute Regierungskrise in den Griff zu bekommen.

Kelly empfing am Mittwoch laut dem Nachrichtensender “NBC” Außenminister Rex Tillerson sowie Verteidigungsminister James Mattis im Weißen Haus. Gemeinsam sollen die drei eine Strategie besprochen haben, wie am besten mit den Querelen in der Administration umzugehen sei. Der Zwischenfall vom Mittwoch ist wahrscheinlich nicht der letzte in einer Reihe von Auffälligkeiten, die auf ein schweres Zerwürfnis innerhalb der US-Regierung hindeuten.

Medienberichte deuten auf zerrüttetes Verhältnis zwischen Trump und Tillerson hin

Im Fokus stehen dabei US-Präsident Donald Trump und Außenminister Rex Tillerson. Im Juli soll Tillerson im Kreise von Kollegen den Präsidenten einen “Trottel” (“Moron”) genannt haben. Die Aussage soll bei einer Besprechung im Pentagon gefallen sein. Die beiden Politiker waren davor immer wieder aneinandergeraten: Tillerson distanzierte sich häufig von den Aussagen des Präsidenten. Der wiederum blamierte bereits des Öfteren Tillerson, indem er dessen diplomatische Arbeit mit wenigen Sätzen an die Wand fuhr. Wie etwa unlängst, als Trump die Bemühungen Tillersons um Verständigung mit Nordkorea als “Zeitverschwendung” bezeichnete.

Im Juli soll Tillerson laut “NBC” zudem regierungsintern mit seinem Rücktritt gedroht haben. Der Nachrichtensender berief sich dabei auf hochrangige Regierungsbeamte. Auf Twitter dementierte Trump das jedoch: “Rex Tillerson hat nie mit Rücktritt gedroht. Das sind Fake News von NBC News. Niedriges journalistisches Niveau. Keine Bestätigung von mir.”

Und auch Rex Tillerson wies Teile des “NBC”-Berichts am Donnerstag zurück. In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz sagte der US-Außenminister: “Ich habe niemals in Erwägung gezogen, diesen Posten zu verlassen.” Er stehe weiter hinter Donald Trump und so sei es auch in der Vergangenheit gewesen. “Alles was wir erreicht haben, haben wir als Team erreicht”, sagte Tillerson.

Doch von der Pressekonferenz bleibt vor allem hängen, was Tillerson nicht gesagt hat. Der 65-Jährige dementierte nicht explizit, Trump einen “Trottel” genannt zu haben. Beobachter werten dies als Eingeständnis, dass Tillerson das Wort tatsächlich in diesem Zusammenhang benutzt hat.

Sitzt Rex Tillerson hier neben seiner Nachfolgerin? Nikki Haley könnte das Außenministerium übernehmen. (Bild: AP Photos)

Dementsprechend soll Tillerson bereits auf dem Abstellgleis stehen. Eine Nachfolgerin für den Chefsessel im Außenministerium stünde auch schon parat: Nikki Haley, US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen. Der Diplomatin werden große Ambitionen nachgesagt. Sollte es zu einem “Rexit” kommen, wie ein freiwilliger oder erzwungener Rücktritt von Rex Tillerson in einigen US-Medien bereits genannt wird, wäre Haley Gerüchten zufolge die aussichtsreichste Kandidatin für dessen Nachfolge.

Aber auch mit ihr könnte es schwierig werden: Lange hatte die Politikerin Donald Trump bekämpft und gefordert, er solle seine Steuern veröffentlichen. Doch der nahm die einstige Gouverneurin des Bundesstaates South Carolina in sein Team auf und ernannte sie zur UN-Botschafterin.

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