Womöglich Schlamperei bei US-Luftwaffe im Umgang mit späterem Texas-Täter

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Polizeiabsperrung vor der Kirche in Sutherland Springs

Nach dem Blutbad in einer texanischen Kirche prüft die US-Luftwaffe mögliche Versäumnisse bei der Weitergabe von Informationen über den Täter: Eine Verurteilung wegen häuslicher Gewalt wurde wohl nicht in eine Datenbank zur Überprüfung von Schusswaffenkäufern eingetragen

Nach dem verheerenden Angriff auf eine Kirche in Texas prüft die US-Luftwaffe mögliche Versäumnisse bei der Weitergabe von Informationen über den Täter: Eine Verurteilung des früheren Luftwaffensoldaten Devin Kelley wegen häuslicher Gewalt sei ersten Erkenntnissen zufolge nicht in die zentrale Datenbank zur Überprüfung von Schusswaffenkäufern eingetragen worden, teilte eine Sprecherin der Luftwaffe am Montag mit. Auslöser der Gewalttat waren möglicherweise Familienstreitigkeiten.

Von Militärgerichten verhängte Strafen müssen eigentlich in der Datenbank des FBI erfasst werden. Nach Angaben der US-Luftwaffe hatte Kelley auf einem Stützpunkt im Bundesstaat New Mexico gedient. Er wurde demnach 2012 wegen eines tätlichen Angriffs auf seine damalige Ehefrau und seinen Stiefsohn von einem Militärgericht zu zwölf Monaten Haft verurteilt. 2014 wurde er unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen.

Wegen seiner Verurteilung sei es Kelley gesetzlich verboten gewesen, "Schusswaffen zu kaufen oder zu besitzen", erklärte Luftwaffen-Sprecherin Ann Stefanek. Die zuständige Abteilung für Sonderermittlungen auf dem Luftwaffenstützpunkt Holloman habe dies aber offenbar nicht in die Datenbank eingetragen.

Die Luftwaffe will den Angaben zufolge nun überprüfen, ob andere Fälle korrekt eingetragen wurden. Der Vorsitzendes des Streitkräfteausschusses im US-Senat, der Republikaner John McCain, kündigte eine "gründliche" Untersuchung der mutmaßlichen Versäumnisse bei der Vorstrafen-Meldung an.

Der 26-jährige Kelley hatte am Sonntag in einer Kirche im Bundesstaat Texas mit einem Sturmgewehr um sich geschossen. 26 Gottesdienstbesucher wurden getötet, darunter ein Ungeborenes und ein eineinhalbjähriges Kleinkind; 20 weitere Menschen wurden verletzt. Kelley wurde kurz nach der Tat tot in seinem Wagen gefunden. Nach Angaben der Polizei nahm er sich vermutlich das Leben.

Unterdessen verdichteten sich die Hinweise, dass die Tat keinen politischen Hintergrund hatte, sondern in einem Familienstreit wurzelte. Kelley sei wütend auf seine Schwiegermutter gewesen und habe Textnachrichten mit "Drohungen" abgesetzt, sagte der Regionaldirektor des texanischen Ministeriums für öffentliche Sicherheit, Freeman Martin.

Die Schwiegermutter hatte die Baptistenkirche im Dorf Sutherland Springs demnach regelmäßig besucht. Laut Medienberichten hielt sie sich zum Tatzeitpunkt aber nicht in der Kirche auf. Berichten zufolge war aber die Schwiegergroßmutter unter den Todesopfern.

Kelley habe "offenbar schon lange" vor der Tat "psychische Probleme" gehabt, sagte der Gouverneur von Texas, Greg Abbott. Ähnlich hatte sich US-Präsident Donald Trump geäußert, der bei Kelley von "psychischen Problemen in höchstem Maße" gesprochen hatte.

Zwei Männer wurden wegen ihres mutigen Eingreifens und der Verfolgung des Schützen wie Helden gefeiert. Der 55-jährige Stephen Willeford griff zu seinem eigenen halbautomatischen Gewehr und schoss Kelley an, als dieser wieder aus der Kirche kam und zu seinem Auto lief. Daraufhin stoppte Willeford ein Auto mit dem 27-jährigen Johnnie Langendorff am Steuer und beide verfolgten Kelley bei zeitweise mehr als 150 Stundenkilometern rund zwölf Minuten lang, bis der Flüchtende mit seinem Auto auf ein Feld raste.

"Ich musste sichergehen, dass er gefasst wird", sagte Willeford der Zeitung "The Dallas Morning News". Es sei ihm um seine Freunde gegangen. "Ich habe Freunde in dieser Kirche."

Rund 200 Menschen versammelten sich am Montagabend auf einem Feld in der Nähe der Kirche zu einer Mahnwache. Mit Liedern und Gebeten gedachten die Trauernden der Opfer. Seelsorger aus anderen Gemeinden in Texas reisten nach Sutherland Springs, um zu helfen. 26 weiße Kreuze auf der anderen Seite des Felds erinnerten an die Toten.