Nach US-Luftangriff – Russland schenkt Syrien moderne Abwehr-Raketen

Nach dem Luftangriff auf Syrien will Russland seinen Verbündeten mit einem neuen Abwehrsystem ausstatten. Das kann Israel nicht gefallen.

Russland will nach Angaben russischer Medien schon in Kürze Luftabwehrraketen vom Typ S-300 „Favorit“ nach Syrien liefern. Die Raketen sind die Antwort des Kreml auf die zunächst von US-Präsident Donald Trump per Twitter angekündigten und ein paar Tage später geflogenen US-Luftangriffe auf Damaskus.

Die Spannung in der Region dürfte durch die Stationierung neuer Luftabwehrraketen weiter zunehmen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Israel die Raketenstellungen als Gefahr für die eigene Sicherheit einstuft – und sie bombardiert. Mehrere Medien spekulieren bereits in diese Richtung. Sie beruhen sich dabei auf Amos Yadlin, den früheren Chef des israelischen militärischen Aufklärungsdienstes.

Seinen Worten nach werden die Israelis S-300-Systeme in jedem Fall vernichten, wenn sie auf syrischem Territorium stationiert werden sollten.


Die Luftabwehr Syriens stammt größtenteils aus sowjetischer Produktion: Die Systeme S-125 (nach Nato-Qualifikation: SA-3 Goa) und S-200 (SA-5 Gammon) wurden in der sowjetischen Armee bereits in den 1960er-Jahren in Dienst gestellt. Buk (SA-11 Gadfly), Quadrat (SA-6 Gainful) und Osa (SA-8 Gecko) sind zwar etwas neuer, aber auch schon in die Jahre gekommen. Einzig die jüngst von Damaskus erworbenen 40 Kurzstrecken-Flugabwehrraketensysteme Panzir S-1 (SA-22 Greyhound) entsprechen modernsten Anforderungen.

Zwar sind in Syrien auch mehrere hochmoderne russische S-400-Systeme stationiert, doch deren Aufgabe besteht einzig und allein im Schutz der russischen Militärbasen. Bei den Luftangriffen im April blieben diese daher stumm. Wie es heißt, wurde das russische Militär im Vorfeld von den Zielen, die unter Beschuss genommen werden, unterrichtet und hat daher nicht eingegriffen.

Mit den S-300 stärkt Moskau Assad aber nicht nur demonstrativ den Rücken. Die Systeme können mehrere Ziele gleichzeitig bekämpfen und haben eine Maximalreichweite von 200 Kilometern. Damit steigt das Abschussrisiko für Marschflugkörper, aber auch Kampfflugzeuge bei einem Angriff auf syrische Ziele deutlich.

Auf dieses Luftabwehrsystem hat Assad seit langem gewartet. Schon 2010 hatten Moskau und Damaskus einen entsprechenden Rüstungsvertrag abgeschlossen.

Vier S-300-Divisionen sollten an Syrien geliefert werden, doch dann begann der Bürgerkrieg. Schließlich mischte sich auch noch Israel ein und machte Sicherheitsbedenken geltend, Russland daraufhin einen Rückzieher.

„Die Israelis haben Befürchtungen wegen der Lieferung dieser S-300-Systeme in ein anderes Land der Region geäußert, da diese von dort auch das Territorium Israels erreichen können“, diese Sorge habe Moskau geteilt und daher die 400 Millionen Dollar Anzahlung an Syrien zurückgezahlt, gab Präsident Wladimir Putin später den Verlauf des geplatzten Rüstungsdeals wider.


Doch nun fühlt sich Moskau an keine Abmachungen mehr gebunden. Im Gegensatz zu 2010 geht es diesmal nicht um kommerzielle Lieferungen, sondern um entgeltlose Waffenhilfe. Damaskus müsste sich in dem Fall allerdings mit Gebrauchtmaterial zufrieden geben. Bereits unmittelbar nach dem US-Luftangriff am 14. April hatte der russische Generalstab die Option solcher Lieferungen in den Raum gestellt. Anschließend unterstützte auch Außenminister Sergej Lawrow diese Linie, „um der syrischen Armee zu helfen, die Aggression zu stoppen.“

Nach Informationen aus dem Verteidigungsministerium ist die grundsätzliche politische Entscheidung schon gefallen. Nun geht es um Details. Noch ist unklar, ob die Waffen per Luft oder auf dem Seeweg mit dem Umschlag über die russische Flottenbasis in Tartus geliefert werden sollen. Da zudem auch die syrischen Einheiten an den neuen Systemen eingelernt werden müssen, dürfte die S-300 wohl frühestens in drei Monaten einsatzbereit sein.