Was US-Konzerne über Trumps Politik denken


Jeder kennt sie: Ford, McDonalds, Amazon und General Electric: Die US-Konzerne haben überall auf der Welt Standorte – und beschäftigen allein in Deutschland Zehntausende Mitarbeiter. Sie sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die USA. Die amerikanische Handelskammer Amcham als Interessenvertretung der Unternehmen hat deshalb nun untersucht, wie diese über die neue Regierung unter Präsident Donald Trump urteilen.

Das Ergebnis: Genauso wie deutsche Unternehmen argwöhnen auch die meisten amerikanischen Firmen, dass der Wirtschaft eine unsichere Entwicklung in der transatlantischen Partnerschaft bevorsteht. Sechs Prozent senken ihre Ausgaben. Mehr als jedes zweite Unternehmen (59 Prozent) investiert genauso wie noch vor der Präsidentschaft von Trump. Jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) ist verunsichert, hat noch keine Entscheidung getroffen und wartet weiter ab. Doch dieses kollektive Abwarten kann schnell zu einem konjunkturellen Abschwung führen: So war es zum Beispiel nach dem Ausbruch der Immobilienkrise 2008 geschehen, als die Unternehmen flächendeckend abwarteten – und so eine Rezession ausgelöst hatten.


So weit ist es jetzt zwar noch lange nicht. Doch so gut wie alle Firmen (89 Prozent) sehen mögliche protektionistische Maßnahmen der neuen US-Regierung als größte Herausforderung in den Handelsbeziehungen. Der Hintergrund dazu ist offensichtlich: Nicht nur im Wahlkampf, auch in seinen ersten Monaten als Präsident hat Trump wiederholt und pointiert gefordert, die größte Volkswirtschaft künftig stärker abschotten zu wollen, um die heimische Produktion zu stärken.

„Wir wollen Steuern auf Importe aus Ländern erheben, mit denen wir ein Außenhandelsdefizit haben“, hieß es im Weißen Haus. Gemeint sind vor allem China und Deutschland. Zur Diskussion stehen 20 Prozent auf ausländische Waren. Exporte sollen hingegen mit Steueranreizen attraktiver gemacht werden. Macht die neue Regierung Ernst, dann droht ein transatlantischer Handelskrieg mit Einfuhrbarrieren in den USA und möglichen Vergeltungsaktionen aus Deutschland – und natürlich Nachteilen für die Unternehmen in Deutschland – egal ob deutsche oder amerikanische.


So hält denn auch die große Mehrheit (88 Prozent) der Befragten das inzwischen in weite Ferne gerückte Freihandelsabkommen TTIP zwischen der Europäischen Union und den USA für erforderlich. Ein Abschluss im kommenden Jahr erscheint den befragten Unternehmen jedoch sehr unwahrscheinlich (83 Prozent). Aus gutem Grund: Trump hält an seiner ablehnenden Haltung zu Freihandelsabkommen fest, egal mit welchen Staaten – es widerstrebt seiner „America-First-Politik“.



US-Unternehmen sehen sich als digitale Vorreiter


Mit Blick auf den technologischen Wandel sehen sich die US-Unternehmen indes selbstbewusst als Vorreiter. Das gilt vor allem, wenn es um veränderte Strukturen im Arbeitsablauf und den künftigen Anforderungen an die Mitarbeiter geht. „Ein erfolgreicher digitaler Wandel gehört zu den wichtigsten Faktoren für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit“, urteilt Amcham-Präsident Bernhard Mattes.

Immer mehr Unternehmen setzten auf neue digitale Technologien. Jetzt gelte es, die digitale Infrastruktur auszubauen und einen modernen Rechtsrahmen für Cybersicherheit und Datenaustausch zu schaffen. „Unternehmen investieren dort, wo sie Planungssicherheit und ein stabiles Umfeld vorfinden und dies muss auch im digitalen Umfeld gewährleistet werden.“


Größtes amerikanisches Unternehmen in Deutschland ist Ford mit einem Jahresumsatz von 22,5 Milliarden Euro. An seinen Standorten in Köln, Saarlouis und Aachen beschäftigt der Autobauer gut 25.000 Mitarbeiter. Insgesamt setzten die 50 größten US-Konzerne in Deutschland im abgelaufenen Jahr 176 Milliarden Euro um, gut drei Prozent mehr als 2015. Das ist das stärkste Wachstum seit fünf Jahren – und auch stärker, als die 500 größten US-Konzerne gewachsen sind.
Die Aussichten erscheinen gut: Für das laufende Jahr rechnen fast alle Unternehmen (85 Prozent) mit weiter steigenden Umsätzen.
Neben Ford zählen Exxon mit seinen knapp 1000 Esso-Tankstellen und Amazon mit seinen neun Logistikzentren, darunter den gerade neu entstandenen Anlagen in Winsen, Frankenthal und Dortmund, zu den größten Unternehmen. Die meisten Arbeitsplätze schufen Amazon (plus 2000) und – ausgerechnet – der angeschlagene Autobauer Opel (plus 2459), der seit August zum französischen Autobauer PSA gehört.