US-Konzern AT&T nennt Kooperation mit Trumps Anwalt "großen Fehler"

Michael Cohen, Anwalt von US-Präsident Donald Trump

Der US-Telekommunikationsriese AT&T hat es als "großen Fehler" bezeichnet, den persönlichen Anwalt von Präsident Donald Trump als Berater engagiert zu haben. Die frühere Verbindung des Konzerns zu dem Anwalt Michael Cohen sei eine "schwere Fehleinschätzung" gewesen, räumte Unternehmenschef Randall Stephenson in einem am Freitag veröffentlichten Memo an die Belegschaft ein. Er übernehme für diesen Fehler die Verantwortung.

Stephenson betonte jedoch auch, dass die Zusammenarbeit des Unternehmens mit Cohen nicht gegen das Gesetz verstoßen habe und "völlig legitim" gewesen sei. Zugleich kündigte er an, dass der an dem Vertrag mit Cohen beteiligte Manager Bob Quinn in den Ruhestand gehen werde.

AT&T hatte zuvor bestätigt, Cohens Firma Essential Consultants im vergangenen Jahr engagiert zu haben, um "Einblicke in die neue Regierung" zu bekommen. Es habe sich nicht um Lobbyarbeit gehandelt. Der Vertrag sei im Dezember beendet worden. Insgesamt zahlte der Konzern der Cohen-Firma demnach rund 600.000 Dollar (500.000 Euro).

Nach Angaben des Konzerns ging es bei Cohens Beratertätigkeit auch um die angestrebte Fusion von AT&T mit dem Medienkonzern Time Warner. Die geplante Übernahme durch AT&T wird derzeit vor Gericht verhandelt, nachdem die US-Regierung den Milliardendeal mit einer Kartellklage geblockt hatte.

Gegen Cohen laufen strafrechtliche Ermittlungen wegen des Verdachts illegaler Geschäftspraktiken. Beamte der Bundespolizei FBI hatten im April seine Büro- und Privaträume durchsucht und tausende Dokumente beschlagnahmt. Die Justizbehörden machten allerdings keine Angaben dazu, auf welche konkreten Vorgänge sich der Verdacht gegen Cohen bezieht.

Für Trump sind die Ermittlungen überaus heikel, da er jahrelang eng mit dem Anwalt zusammengearbeitet hatte. Cohen galt als sein "Ausputzer", der unangenehme Angelegenheiten hinter den Kulissen aus der Welt räumte.

Aus Cohens Firma Essential Consultants war auch kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 die Schweigegeldzahlung in Höhe von 130.000 Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels geflossen. Sie hatte sich damals verpflichtet, nicht über ein angebliches Sexabenteuer mit Trump auszupacken. Die Vereinbarung betrachtet sie heute als ungültig, vor einem Gericht in Los Angeles streitet sie für deren Annullierung.

Daniels' Anwalt Michael Avenatti hatte in dieser Woche Dokumente zu Cohens Beratertätigkeit an die Öffentlichkeit gebracht, aus denen seine Zusammenarbeit mit AT&T hervorging.

Demnach erhielt die von Cohen kurz vor der Wahl 2016 gegründete Firma Essential Consultants zudem stattliche Summen von dem Schweizer Pharmariesen Novartis und dem südkoreanischen Flugzeugbauer Korea Aerospace Industries. Ferner zahlte demnach der russische Oligarch Viktor Wekselberg 500.000 Dollar an Essential Consultants.