Wie eine US-Ikone sich zu Tode trank

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Wie eine US-Ikone sich zu Tode trank
Wie eine US-Ikone sich zu Tode trank

Musik-Legende Billy Joel erwähnte ihn in seinem Klassiker „We didn‘t start the Fire“, zwischen Pasternak und Kerouac.

Für Paul Simon trat er im Video zu „Me and Julio Down by the Schoolyard“ auf. In Hollywood stand er mit Doris Day, Cary Grant und auch Pierce Brosnan vor der Kamera. Sängerin Teresa Brewer verewigt ihn gar in einem eigenen Song, der in Amerika bis heute bekannt ist: „I Love Mickey“. (NEWS: Alles zur MLB)

Es gibt wenige Sportlegenden, die in der US-Popkultur so präsent waren und geblieben sind wie er – und es liegt längst nicht nur an seinem einprägsamen Namen.

Mickey Mantle, der heute 90 Jahre geworden wäre, war einer der größten Baseballer aller Zeiten mit geradezu atemberaubender Bilanz: Sieben Meistertitel mit den New York Yankees. 20 All-Star-Berufungen. Unzählige bis heute gültige Rekorde, allen voran der für die meisten Homeruns in den World Series (18) - vor den ähnlich legendären Babe Ruth (15) und Yogi Berra (12). (Spielplan und Ergebnisse der MLB)

Doch die ruhmreiche Geschichte des berühmtesten menschlichen Mickey hat eine Schattenseite - die ihn zu früh das Leben kostete.

In einer Reihe mit Babe Ruth und Co.

Mickey Charles Mantle wurde am 20. Oktober 1931 in Spavinaw geboren, einem damals von nur knapp über 200 Menschen bevölkerten Dorf in Oklahoma.

Aus den einfachen Verhältnissen, in denen er aufwuchs – Vater Elvin „Mutt“ Mantle war Arbeiter in Blei- und Zinkminen – arbeitete er sich durch sein herausragendes athletisches Talent hervor.

Mantle – benannt nach Hall-of-Fame-Kollege Mickey Cochrane, den sein Vater verehrte – wurde nach zwei Jahren in den Minor Leagues von den Yankees entdeckt. Deren damaliger Manager Casey Stengel war verblüfft von Mantles Schlagstärke („mehr natürliche Power, als ich je gesehen habe, von beiden Seiten“), erkor ihn zum nächsten großen Star des Teams aus. (Tabelle der MLB)

Die Trikotnummer 6, die er bekam, knüpfte nicht zufällig an die ikonische Ahnenreihe 3 (die Nummer von Babe Ruth), 4 (Lou Gehrig) und 5 (Joe DiMaggio) an (Joe DiMaggio: Der erste Sport-Promi - auch dank Marilyn Monroe).

Erst Derek Jeter löste Mickey Mantle ab

Mantle wurde den hochgesteckten Erwartungen gerecht, entwickelte sich zu einem der besten Offensivspieler der MLB-Geschichte, zum Leistungsträger, Gesicht und Mythosbewahrer der Franchise.

Als Mantle 1969 abtrat, ging er als deren Rekordspieler (2401 Partien), erst über 40 Jahre später zog Derek Jeter vorbei.

Die Kehrseite der Heldenstory: Mickey Mantle ist in seiner Heimat auch eines der bekanntesten Beispiele für das Thema Showbiz und Alkohol.

Alkoholismus ruinierte seine Gesundheit

Mantle war über Jahrzehnte ein schwerer Trinker – er habe das Leben genießen wollen, weil er einen frühen Tod erwartet hätte, bekundete er oft. In seiner Familie hatte es viele frühe Krebstode gegeben, unter anderem war sein Vater mit 40 an der Hodgkinschen Krankheit verstorben.

Das Familiendrama um Mantle füllte in den USA viele Boulevardseiten, auch Mantles Frau Merlyn und die drei gemeinsamen Söhne waren alkoholkrank, der Erstgeborene Mickey Jr. und der jüngste Sohn Billy starben ebenfalls jung.

Mickey Mantle schwor erst mit über 60 nach einem Entzug im berühmten Betty Ford Center dem Alkohol ab. Sein Arzt hatte ihm zuvor mitgeteilt, dass seine Leber so verhärtet sei, dass sie die Form eines „Türstoppers“ angenommen hätte. Der Schaden war nicht mehr reparabel: Mickey Mantle starb am 13. August 1995 an Leberkrebs.

Lebensbeichte kurz vor dem Tod

Noch im Jahr davor hatte Sports Illustrated eine große Lebensbeichte Mantles veröffentlicht: Er hätte irgendwann realisiert, dass zu viele Geschichten, die er erzähle, um Trunkenheit gekreist wären, hatte Mantle bekundet. Sie seien nicht mehr lustig.

„Hätte ich gewusst, dass ich lange leben würde, ich hätte besser auf mich aufgepasst“, sagte Mantle in seinen späten Jahren immer wieder.

Mickey Mantle wurde 63 Jahre alt.

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