Trump versetzt US-Banken in Partylaune


Die Zahlen sind so gut, dass sich Jamie Dimon nicht mal mehr die Zeit nimmt, sich zum Telefonkonferenz mit Analysten dazuzuschalten. Der Chef der größten US-Bank JP Morgan ist mit Kunden unterwegs, „aber er lässt euch grüßen“, scherzt Finanzchefin Marianne Lake am Freitag.

Die Bank hat, wie andere große Institute auch, vor allem gute Nachrichten zu verkünden. Zehn Jahre nach der Finanzkrise profitiert die Branche von niedrigeren Steuern, einer robusten Volkswirtschaft und volatilen Märkten, die die Handelsumsätze deutlich steigen ließen.
Der Gewinn bei JP Morgan stieg um 35 Prozent auf 8,7 Milliarden Dollar – ein neuer Rekord. Der Ertrag legte um 12 Prozent auf 27,9 Milliarden Dollar zu. Rückenwind gab es vor allem durch die Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, die die Körperschaftsteuer im Dezember von 35 auf 21 Prozent senkte. JP Morgan zahlte rund 250 Millionen Dollar weniger Steuern. Der effektive Steuersatz im ersten Quartal lag bei 18,3 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es noch 22,7 Prozent.


Der Gewinn bei der Citigroup stieg um 13 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar an – dem höchsten Stand seit knapp drei Jahren. Auch hier spielte der effektive Steuersatz eine große Rolle, der von 31 Prozent im vergangenen Jahr auf 24 Prozent sank. Der Umsatz legte dagegen nur leicht zu.

Die Banken sind auch deutlich profitabler geworden. Die Eigenkapitalrendite bei JP Morgan stieg von elf auf 15 Prozent – dem höchsten Wert seit vor der Krise. Citis Eigenkaptialrendite lag bei 9,7 Prozent und kam damit zum ersten Mal seit Jahren wieder in die Nähe der wichtigen 10-Prozent-Marke.

Unruhige Märkte lohnen sich für Banken

JP Morgan und Citigroup profitierten auch von den volatilen Aktienmärkten des ersten Quartals. Seit dem 5. Februar sind die Märkte deutlich unruhiger geworden und haben die ungewöhnlich lange Ruhephase beendet. 2017 war das stabilste Börsenjahr aller Zeiten. Es gab insgesamt nur acht Tage, an denen der breit gefasste US-Aktienindex S & P 500 um mehr als ein Prozent schwankte. In diesem Jahr war diese Marke jedoch schon am 14. Februar erreicht. An fünf Tagen verlor der S & P 500 gar zwei Prozent oder mehr.

Der Aktienhandel bei JP Morgan war so stark wie nie zuvor. Die Umsätze schossen um 26 Prozent in die Höhe, auf zwei Milliarden Dollar. Citigroups Aktienhandel stieg um 38 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar. Die Zahlen wecken bei Analysten auch positive Erwartungen für andere Banken wie Goldman Sachs und Bank of America, die in der kommenden Woche ihre Quartalsergebnisse vorstellen.


Die gestiegene Volatilität könnte auch der Deutschen Bank Rückenwind geben. Das Frankfurter Finanzhaus ist dabei, den angeschlagenen Aktienhandel in den USA wieder aufzubauen und hat dafür den ehemaligen Goldman-Sachs-Partner Peter Selman angeheuert. Er sei nun dabei, schleunigst neue Händler einzustellen, sagte er im Februar im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Devisen und Rohstoffen blieb dagegen weiter schwach. JP Morgan meldete zwar ein Plus von acht Prozent auf 4,6 Milliarden Dollar, das sei jedoch vor allem auf Sondereffekte zurückzuführen, betonen die Analysten von der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods. Ohne den Sondereffekt wären die Handelsumsätze um vier Prozent zurückgegangen. Citi-CEO Michael Corbat meldete einen Rückgang im Handel mit festverzinslichen Wertpapeiren um sieben Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar.

Auch das Privatkundengeschäft ist stark

Das Privatkundengeschäft ist bei beiden Banken stark. Der Nettogewinn der größten Sparte der Bank legte bei JP Morgan um 67 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar zu, was vor allem auf höhere Zinsen zurückzuführen ist. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte erst im März den Leitzins erneut angehoben, auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Die Nettogewinne der Citigroup stiegen um 40 Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar.

Wells Fargo bleibt dagegen das Sorgenkind der Branche. Die einst profitabelste Bank Amerikas kämpft nun schon seit 2016 mit einer Reihe von Skandalen. Die Bank aus San Francisco meldete am Freitag einen Gewinnanstieg von fünf Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar.


Allerdings könnten die Ergebnisse nachträglich nach unten korrigiert werden, warnte CEO Tim Sloan. Die Bank stehe vor einer außergerichtlichen Einigung mit zwei Aufsichtsbehörden, die insgesamt eine Milliarden Dollar kosten könnte.

„Ich bin zuversichtlich, dass unser Team die Bank zu einem besseren und stärkeren Unternehmen machen wird. Aber es wird dauern, bis wir all unsere Probleme beseitigt haben“, räumte Sloan ein. Der Ertrag der krisengeschüttelten Bank ging um ein Prozent auf 21,9 Milliarden Dollar zurück.