US-Gericht verurteilt junge Frau wegen unheilvoller Rolle bei Suizid des Freunds

Angeklagte schickte Freund zahlreiche SMS-Nachrichten

Weil sie ihren Freund in den Suizid getrieben haben soll, ist eine junge Frau in den USA zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Wegen ihrer unheilvollen Rolle beim Tod ihres damals 18-jährigen Freundes schickte das Jugendstrafgericht in Taunton im Bundesstaat Massachusetts die Angeklagte Michelle Carter am Donnerstag für 15 Monate hinter Gitter. Weitere 15 Monate Haft wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von mindestens sieben Jahren Haft gefordert. Sie warf Carter vor, ihren Freund in den Tod getrieben zu haben, um Mitleid und Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Verteidigung hatte für eine Bewährungsstrafe plädiert. Sie argumentierte, Carter sei damals selbst depressiv gewesen, habe Antidepressiva eingenommen und unter schweren Essstörungen gelitten; ihr Urteilsvermögen habe dadurch deutlich gelitten. Sie war damals 17 Jahre alt.

Das Verfahren hatte landesweit großes Aufsehen erregt. Während des Prozesses wurden hunderte SMS-Nachrichten zwischen dem einstigen Paar ausgewertet. Darin bedrängte Carter ihren unter Depressionen leidenden Freund Conrad Roy immer wieder, seine Suizid-Gedanken in die Tat umzusetzen. Roy starb dann am 12. Juli 2014 in seinem Auto an einer absichtlich herbeigeführten Abgasvergiftung.

An dem Tag war er bis zum Schluss am Telefon mit Carter. Als er im letzten Moment zweifelte und aus dem Wagen flüchtete, befahl sie ihm, zurückzukehren und seine Tat zu vollenden. Dann hörte sie zu, wie er anfing zu husten und es ihm immer schlechter ging - ohne die Polizei oder zumindest seine Familie zu alarmieren, deren Nummer sie eingespeichert hatte.

Die Staatsanwältin hatte der jungen Frau Geltungssucht vorgeworfen. Carter habe ihren Freund in einer "vorsätzlichen und gut geplanten Kampagne" zum Selbstmord ermuntert. "Ihr Handeln hat Conrad Roy das Leben gekostet. Sie hat sein Leben beendet, um ihr eigenes aufzuwerten", hatte die Staatsanwältin gesagt. Zudem zeige die junge Frau keinerlei Reue.

Auch Richter Lawrence Moniz nannte Carters Verhalten "bösartig und gefährlich". Nach seinen Worten wusste sie trotz des Medikamenteneinflusses genau, was sie tat und was geschah - und unternahm nichts, obwohl es für sie ein Leichtes gewesen wäre. Gleichzeitig aber wies er darauf hin, dass Carter nach dem Jugendstrafgesetz verurteilt werde, dessen Ziel es sei, ein "Gleichgewicht" zu finden zwischen Strafe und Resozialisierung. Beide Seite können noch Berufung einlegen.

Zum Abschluss des Verfahrens ergriff der Vater des toten jungen Manns das Wort. Er richtete schwere Anschuldigungen an Carter: "Wie konnte Michelle Carter nur so bösartig sein und meinen Sohn dazu drängen, sein Leben zu beenden? Wo blieb ihre Menschlichkeit?"

Roys Mutter rief in einer vor Gericht verlesenen Erklärung dazu auf, die Gesetze zu ändern, um andere Familien vor einer ähnlichen Tragödie zu schützen. Im Gegensatz zu anderen US-Bundesländern gibt es in Massachusetts kein Gesetz, das die Ermutigung zum Suizid unter Strafe stellt.