US-Designer Prabal Gurung: „Europäische Designer sind zu faul für Plus-Size-Mode!“

Kurven-Queen Ashley Graham lief für Prabal Gurung über den Laufsteg. (Bild: Frazer Harrison/Getty Images For NYFW: The Shows)

Plus-Size-Mode erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Schließlich trägt die Durchschnittsfrau mindestens Kleidergröße 42. Deshalb erobern auch immer mehr Plus-Size-Models den Laufsteg – was vor einigen Jahren noch undenkbar schien, ist in der Modewelt mittlerweile keine große Neuerung mehr. Zumindest in den USA.

Wenn es nach US-Designer Prabal Gurung geht, scheint in Europa die Zeit stehen geblieben zu sein. In einem Interview mit dem US-Magazin „Cosmopolitan“ wetterte der New Yorker jetzt auf seine Kollegen, die noch immer ausschließlich Mode für extrem dünne Frauen kreieren – und das, obwohl sich das Frauenbild auch hierzulande längst gewandelt hat.

„Die Modewelt ist mit ihrem schlechten Verhalten lange genug davongekommen“, schimpfte der Designer. „Die digitale Welt hat alles etwas transparenter gemacht und den Leuten Macht gegeben. Und die haben sie genutzt, sie fordern Veränderung.“

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Er selbst entwirft mittlerweile Mode fernab der Größenzuordnung. Ob Skinny oder Plus-Size: Prabal Gurung möchte alle Frauen anziehen – auch wenn diese Entscheidung bei vielen weiterhin auf taube Ohren stößt.

„Nach meiner ersten Kollektion mit Lane Bryant kam eine Frau in einer Kunstgalerie auf mich zu, und fragte mich: ,Warum designen Sie Mode für fette Menschen?”’, erinnert sich Gurung. Sie hätte versucht, es als Spaß abzutun, doch damit sei sie bei ihm nicht durchgekommen. „Ich habe mich mit ihr hingesetzt und gesagt: ,Erst mal ist das nicht lustig. Und Wörter haben Macht, sie haben eine Wirkung auf das Leben, und Menschen wie Sie, die solche Dinge sagen, sind der Grund, warum ich das tun möchte. Ich möchte, dass Sie Ihre Wahrnehmung ändern.“

Modedesigner Prabal Gurung sieht sich selbst als Feministen. (Bild: Neilson Barnard/Getty Images for New York Fashion Week: The Shows)

Prabal Gurung schickte in seiner letzten Fashion Show in New York unter anderem Plus-Size-Beauty Ashley Graham in seinen Designs über den Laufsteg. In Paris, London oder Mailand wäre das seiner Ansicht noch undenkbar gewesen.

„Es wird sich erst was ändern, wenn etwas in Europa passiert. Den Leuten fehlt einfach der Mut, sie brauchen X-, Y-, Z-Leute, die als Vorreiter fungieren, um zu glauben, dass etwas ein Trend ist. Aber so funktioniert die Industrie.“

Warum auf der anderen Seite des großen Teiches die Uhren noch derart anders ticken? Gurung hat dafür nur eine Erklärung: „Die Designer sind faul. Es ist überhaupt nicht schwieriger, Plus-Size-Mode zu machen“, stellte der 38-Jährige klar. „Jeder Körper ist unterschiedlich, sogar die Größen 38, 40, 42. Es wird immer Unterschiede geben, aber so ist das Designen eben. Es geht darum, Probleme zu lösen und nicht nur Glitter und Pailletten draufzutun, und Feierabend zu machen.“

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