US-Botschaft in Äthiopien stellt Personal Verlassen des Landes frei

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Mahnwache in Addis Abeba für die Opfer des Konflikts (AFP/EDUARDO SOTERAS)

Angesichts des Vormarsches der Rebellen in Äthiopien hat die US-Botschaft in Addis Abeba ihrem Personal und dessen Angehörigen freigestellt, das Land zu verlassen. Niemand sei jedoch derzeit zur Ausreise verpflichtet, teilte die Botschaft am Donnerstag mit. Gleichzeitig warnte sie vor einer "weiteren Eskalation" des Konflikts zwischen Regierung und der Rebellengruppe TPLF. Eine mit der TPLF verbündete Gruppierung hatte zuvor mit der raschen Einnahme der Hauptstadt gedroht.

Auf ihrer Internetseite riet die US-Botschaft eindringlich von Reisen nach Äthiopien ab. Es könne "ohne Vorwarnung zu zivilen Unruhen und ethnisch motivierter Gewalt kommen", heißt es in einem Hinweis. Mit einer weiteren Eskalation sei zu rechnen.

Der Konflikt zwischen der Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed und der TPLF hatte vor einem Jahr begonnen. Nach einer zunächst erfolgreichen Offensive der Regierungstruppen gegen die in der nördliche Region Tigray regierenden TPLF wendete sich das Blatt.

Im Sommer starteten die Rebellen eine Gegenoffensive, am Mittwoch standen sie nach eigenen Angaben rund 300 Kilometer vor Addis Abeba. Die mit der TPLF verbündete Gruppierung Oromo Befreiungsarmee (OLA) erklärte, der Fall der Hauptstadt sei nur noch eine Frage von wenigen Wochen.

Seit Dienstag gilt in dem Land der Ausnahmezustand: Die Behörden können nun Bürger im wehrfähigen Alter zum Militärdienst einberufen und gegen mutmaßliche Unterstützer der Rebellen vorgehen.

Die US-Behörde für internationale Entwicklung (USAID) warnte, ein Marsch der Rebellen auf Addis Abeba werde die ohnehin schon katastrophale humanitäre Lage im Land verschärfen. Es sei davon auszugehen, dass noch mehr humanitäre Hilfe nötig sein werde, während es gleichzeitig schwerer werden dürfte, "diese Hilfe zu leisten", sagte ein hochrangiger Usaid-Vertreter am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

Nach seinen Angaben konnte in den vergangenen zwei Wochen keinerlei Hilfe mehr Tigray erreichen. Auch in den umkämpften benachbarten Regionen Afar und Amhara wachse der Bedarf. Der Usaid-Vertreter machte in erster Linie Abiys Regierung für die Blockade verantwortlich.

Washington hatte beide Seiten wiederholt dazu aufgerufen, die Kämpfe einzustellen und ihre kriegstreiberische Rhetorik zu beenden - bislang ohne Erfolg. Der US-Sondergesandte für das Horn von Afrika, Jeffrey Feltman, sollte noch am Donnerstag in der äthiopischen Hauptstadt eintreffen, um sich für eine friedliche Lösung der Konflikts einzusetzen.

Der Facebook-Mutterkonzern Meta teilte unterdessen mit, einen Beitrag Abiys gelöscht zu haben, in dem der Friedensnobelpreisträger die Bevölkerung zur Vernichtung der TPLF aufgerufen hatte. Der Beitrag habe gegen die "Grundsätze des Konzerns gegen die Anstiftung und Unterstützung von Gewalt" verstoßen, erklärte ein Sprecher.

ans/cp

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