US-Banken, Deutsche Bank buhlen um reiche Silicon-Valley-Kunden

Sophie Alexander und Cristiane Lucchesi
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US-Banken, Deutsche Bank buhlen um reiche Silicon-Valley-Kunden

(Bloomberg) -- Bank of America Corp., Morgan Stanley, Deutsche Bank AG und JPMorgan Chase & Co. gehören zu den Wall-Street-Häusern, die ihre Vermögensverwaltungsteams in Nordkalifornien aufstocken und Personal und Ressourcen in den schnell wachsenden Markt pumpen. Sie wollen den wachsenden Pool wohlhabender Unternehmer und neuer Tech-Millionäre in der Bay Area anzapfen.

“Hier ist eine ganz andere Energie”, sagt Tracey Warson. Die Chefin der Privatbank von Citigroup Inc. in Nordamerika ist im vergangenen Jahr nach San Francisco umgezogen. „In New York fühlen Sie die Energie der Märkte, hier können Sie Technologie und Innovation fühlen. “

Aber die großen Banken von der Wall Street gelten in einer Stadt, in der so viel Wert auf Rebellion und Neues Denken gelegt wird, immer noch als “Alte Garde‘“, sagt Risikokapitalgeber Arjun Sethi. Der Kulturkonflikt zwischen Unternehmern und Bankern zeigt sich auch in ihrer Kleidung.

„Wenn man hier im Silicon Valley jemanden mit Anzug und Krawatte trifft, hat man das Gefühl, sie würden einem Quacksalberprodukte verkaufen“, sagte Sethi, der Jeans und Kapuzenpullis bevorzugt.

Ungeachtet der einfachen Kleidung schwimmt die Region in Geld. In den zwölf Monaten bis September entfiel mehr als die Hälfte der in den USA getätigten Risikokapitalinvestitionen in Höhe von 122 Milliarden Dollar auf Unternehmen in der Bay Area und im Silicon Valley, so PricewaterhouseCoopers.

Dann gibt es noch die IPOs.

Vierzehn Unternehmen aus der Region San Francisco, die im vergangenen Jahr an die Börse gingen, haben laut von Bloomberg zusammengestellten Daten mehr als 15 Milliarden US-Dollar beschafft, angeführt von Uber Inc. mit 8,1 Milliarden Dollar und Lyft Inc. mit 2,3 Milliarden Dollar. Wenn die Gruppe um die 16 anderen Firmen aus der Bay Area erweitert wird, die an die Börse gegangen sind, steigt die Summe auf mehr als 20 Milliarden Dollar.

Trotz der enttäuschenden Performance einiger Unternehmen aus der Bay Area nach dem Börsengang hat die neu gewonnene Liquidität Tausende von Millionären und mehr als ein paar Milliardäre geschaffen. Die Flut neuer Gelder hat die Region zu einem der heißesten Vermögensmärkte der Welt gemacht, insbesondere angesichts der Zahl potenzieller Kunden, denen langjährige Beziehungen zu Finanzunternehmen fehlen.

“Jeder, der in diesem Geschäft tätig ist, weiß, dass hier Reichtum geschaffen wird”, sagte Christine Leong, Leiterin der Vermögensverwaltungsabteilung von JPMorgan in Nordkalifornien, die in der Bay Area 15 Milliarden Dollar verwaltet. „Wir wollen sicherstellen, dass wir gut positioniert sind und diese Unternehmer frühzeitig beraten.“ Bei der Jagd nach diesen Reichtümern konkurrieren die Wall Street-Banken mit Dutzenden von Boutique-Anbietern.

Einige kommen aus der Region, wie zum Beispiel Hall Capital Partners mit Sitz in San Francisco. Andere wurden von Beratern ins Leben gerufen, die von Brokern weggegangen sind.

Iconiq Capital wurde zum Beispiel vom ehemaligen Banker Divesh Makan von Goldman Sachs Group Inc. gegründet. Zu seinen ersten Kunden gehörten unter anderem Mark Zuckerberg von Facebook Inc. und Jack Dorsey von Twitter Inc. Per Juli verwaltete das Unternehmen ein Vermögen von rund 14 Milliarden Dollar und beriet bei zusätzlichen 18,8 Milliarden Dollar.

Wenn Firmengründer um Rat bei der Vermögensverwaltung bitten, schickt Sethi sie normalerweise an registrierte Anlageberater, kurz RIAs.

“Es sind Neulinge, es gibt also eine gewisse Vertrautheit, im Gegensatz zu ”Hey, wir sind diese große Bank, wir wissen alles und wir werden Ihnen sagen, was Sie tun sollen“, sagte er.

Investmentbanker

Privatbanker brauchen Kreativität, um potenzielle Kunden zu erreichen. Der frühzeitige Aufbau von Beziehungen zu Führungskräften bei zukünftigen Einhörnern ist wichtig und erfordert häufig die Hilfe von Investmentbankern. Verbindungen müssen schnell geknüpft werden, bevor “diese mit Telefonanrufen überflutet werden und nicht immer auf die große Bank schauen”, sagte Michael Rogers, Leiter Wealth Management an der Westküste der Deutschen Bank.

Rund ein Fünftel seiner Kunden stamme von Investmentbankern, die mit Start-ups zusammenarbeiten, so Rogers.

Die Deutsche Bank verwaltet in erster Linie Geld für Kunden, die ein Vermögen von 30 Millionen Dollar oder mehr haben und konzentriert sich daher hauptsächlich auf die oberste Hierarchie-Ebene von Unternehmen. Andere Gruppen mit geringeren Mindestanforderungen bemühen sich jedoch um rangniedrigere Mitarbeiter als potenzielle Kunden.

JPMorgan-Berater veranstalteten Präsentationen im Rahmen von Mittag- und Abendessen mit technischen Mitarbeitern, sagte Leong. Das führe nicht immer zu sofortigen Geschäften, aber es bestehe die Möglichkeit, dass jemand im Raum eines Tages ein eigenes Startup hat, sagte sie.

Basis-Vernetzung

Das Citi-Team hat Abendessen mit Kunden von Privatbanken und Investmentbanken-Kunden koordiniert, um eine direkte Verbindung zwischen bestehenden und potenziellen Vermögensverwaltungskunden herzustellen, berichtet Warson. Das sei eine Art zu sagen: „Wir sind für euch Technologie-Unternehmer da, wenn ihr bereit sind“, sagte sie.

Banken verwenden auch einfache Taktiken wie das Senden von LinkedIn-Nachrichten an Personen wie Han Jin, den 31-jährigen Gründer und Geschäftsführer von Lucid, einem 3D-Foto-Startup.

Jin sagte, er sei unter anderem von Charles Schwab Corp. und Morgan Stanley bezüglich ihrer Vermögensverwaltungsdienstleistungen angesprochen worden. Nachdem er sich mit ihnen und einem anderen Family Office getroffen hatte, entschied er, vorerst nur Telefon-Apps zu verwenden.

“Es fühlt sich nach mehr Kontrolle an - zumindest für technisch versierte Unternehmer im Silicon Valley“, sagte Jin. Er nutze vier oder fünf Apps für die Verwaltung seines Geldes, berichtete er.

Bilanzen

Jin sagte, dass er, wenn er wohlhabender wird - er ist jetzt ein paar Millionen Dollar wert - sich wahrscheinlich an einen Vermögensverwalter wenden wird. Aber wahrscheinlich werde er zuerst mit einer kleineren Boutique-Firma zusammenarbeiten. “Der individuelle Service ist viel besser”, sagte er.

Um sich von Boutiquen abzuheben, verweisen große Banken auf ihren Wert als Kreditgeber. Mit ihren riesigen Bilanzen können sie vermögenden Kunden und Einhorn-Gründern, die manchmal wenig Liquidität haben, Kreditlinien zur Verfügung stellen, bis ihre Unternehmen an die Börse gehen.

“In vielen Fällen haben sie nicht viel Einkommen, weil sie sich selbst nicht viel bezahlen”, sagte JPMorgan-Vermögensberater Dan Schrauth. “Aber sie haben eine Menge Eigenkapital und das Unternehmen ist wirklich aufregend und erfolgreich. Vielleicht können wir ihnen helfen, kreative Finanzierungsmöglichkeiten zu finden, eine Hypothek aufzunehmen oder andere Liquidität freizusetzen.”

Liquidität anbieten

“Wir können sehr interessante, einzigartige Strukturen schaffen”, sagte sie. „Abhängig vom Kundenprofil können wir Wege finden, um Liquidität zu beschaffen.”

Diese Geschäfte können für die Banken hochprofitabel sein, bergen jedoch Risiken - insbesondere wenn die hohen Bewertungen der Privatmärkte in Frage gestellt werden und weitere Börsengänge scheitern.

Der ehemalige WeWork CEO Adam Neumann wurde ein Symbol für derartige Risiken. Der Mitbegründer des Office-Sharing-Unternehmens hat von JPMorgan, der UBS Group AG und der Credit Suisse Group AG Hunderte von Millionen Dollar für seine privaten Unternehmensanteile geliehen.

Die IPO-Pläne von WeWork wurden Ende letzten Jahres verworfen, nachdem die Anleger sich gegen die vorgeschlagenen Bewertung des Unternehmens und wenig schmeichelhafte Medienberichte über die Unternehmenskultur sträubten. Neumann musste als Chairman und CEO zurücktreten, ging aber dennoch als Milliardär vom Feld.

Überschrift des Artikels im Original:Wall Street Battles Upstarts in Hunt for Silicon Valley Rich (1)

Kontakt Reporter: Sophie Alexander in San Francisco salexander82@bloomberg.net;Cristiane Lucchesi in Sao Paulo clucchesi5@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Pierre Paulden ppaulden@bloomberg.net, Steven Crabill, Peter Eichenbaum

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