US-Bürgerrechtsorganisation ACLU will Polizei in St. Louis verklagen

Proteste in St. Louis

Die US-Bürgerrechtsorganisation ACLU will die Polizei in St. Louis wegen ihres harten Vorgehens gegen Demonstranten verklagen. Die Sicherheitskräfte müssten alle Video-Aufzeichnungen und sonstige Beweismittel zu ihren Einsätzen am Wochenende aufbewahren, forderte die Organisation am Dienstag (Ortszeit). Seit Freitag gibt es in St. Louis Proteste gegen den Freispruch für einen weißen Ex-Polizisten, der 2011 einen Afroamerikaner erschossen hatte.

"Das Verhalten der Polizei seit dem Urteilsspruch vom Freitag zeigt, dass die Handlungen der Polizisten überwacht werden müssen", erklärte der ACLU-Vertreter Tony Rothert. Die gewalttätigen Protesten halten seit Tagen an, auf dem Höhepunkt wurden am Sonntag 123 Menschen festgenommen. Zu den Festgenommenen zählten offenbar auch völlig Unbeteiligte. Der Journalist Mike Faulk von der "Post-Dispatch" sagte, er sei von Polizisten zu Boden geworfen worden, sie hätten seinen Kopf auf den Boden gedrückt und ihm Tränengas ins Gesicht gesprüht.

Bürgermeisterin Lyda Krewson erhielt nach eigenen Angaben eine Flut von Anrufen und Mails, in denen gegen das Verhalten der Polizei protestiert wurde. Am Dienstag gab es friedliche Proteste und Gebetsstunden. Einige Demonstranten hielten Plakate der Bewegung "Black Lives Matter" hoch, die Polizeigewalt gegen Schwarze anprangert.

Am Freitag hatte ein Gericht in St. Louis den Ex-Polizisten Jason Stockley freigesprochen, der einen mutmaßlichen Drogenhändler erschossen hatte, obwohl der Afroamerikaner Videoaufnahmen zufolge unbewaffnet war. Das Gericht hatte erklärt, eine Mordabsicht lasse sich bei Stockley aus Mangel an Beweisen nicht feststellen.

Stockley sagte aus, er habe den Mann in Notwehr erschossen, als dieser nach einem Revolver griff. Die Waffe ist aber auf mehreren Überwachungs- und Handyvideos nicht zu sehen. Eine Kamera im Polizeiwagen hielt hingegen fest, wie Stockley zu einem Kollegen sagte, dass er den mutmaßlichen Drogenhändler töten werde. Die Proteste richten sich auch dagegen, dass es sechs Jahre dauerte, bevor der Fall vor Gericht verhandelt wurde.