US-Bürger wegen Selbstjustiz im "Pizzagate"-Fall zu vier Jahren Haft verurteilt

Im Zusammenhang mit dem sogenannten "Pizzagate"-Fall hat ein US-Richter einen Mann zu vier Jahren Haft verurteilt, der bewaffnet den mutmaßlichen Sitz eines angeblichen Pädophilenrings in Washington gestürmt hatte. Damit blieb der Washingtoner Bundesrichter Ketanji Brown Jackson nur knapp unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Höchststrafe von fünf Jahren für Selbstjustiz.

Der 28-jährige Edgar Welch war nach eigenen Angaben Ende vergangenen Jahres von North Carolina nach Washington gereist, um selbst in dem von erzkonservativen Medien propagierten Pizzagate-Fall zu "ermitteln". Die demokratische Rivalin des heutigen Präsidenten Donald Trump, Hillary Clinton, war im Wahlkampf von ihren Gegnern als Chefin eines Pädophilenrings bezeichnet worden, der sich in dem beliebten Pizzarestaurant in der Hauptstadt treffe.

Welch hatte das Restaurant am 5. Dezember gestürmt und mit einem Gewehr um sich geschossen. Verletzt wurde niemand. Die Fake News über den Pädophilenring wurden unter anderem von dem Sohn des kurzzeitigen Nationalen Sicherheitsberaters Michael Flynn verbreitet. Michael G. Flynn musste wegen der Weiterverbreitung der Falschmeldungen das Übergangsteam des designierten Präsidenten verlassen.

Anfang November, vor der US-Wahl, hatte sein Vater ebenfalls Links zu dem angeblichen Pizzagate-Fall verbreitet. Zudem twitterte er, in neu aufgetauchten E-Mails Clintons gebe es Hinweise auf Geldwäsche und Sex mit Kindern. Der Hardliner Flynn ist ein pensionierter Drei-Sterne-General und früherer Chef des Militärgeheimdienstes DIA. Wegen seiner dubiosen Russland-Kontakte musste er seinen Posten als Nationaler Sicherheitsberater nach kurzer Zeit wieder aufgeben.