Quer durch Asien folgen die Anleger der Wall Street teilweise deutlich ins Minus. Experten sehen dennoch keinen Grund zur Panik.


Der Tag an der Tokioter Börse setzte am Dienstag fort, was die Börse in New York tags zuvor vorgemacht hatte. Bereits in den ersten zehn Minuten des Handels rutschte der Nikkei-225-Aktienpreisdurchschnitt 1000 Yen oder umgerechnet 4,5 Prozent. Am Nachmittag sanken die Kurse weiter, bevor sie wieder stiegen. Letztlich ging der Nikkei mit 21610,24 Yen 4,7 Prozent leichter aus dem Handel.

Auch Hongkong wurde ähnlich stark getroffen. Hang-Seng-Index gab zwischenzeitlich um 5,5 Prozent nach, erholte sich aber wieder leicht. Doch je weiter die Märkte  finanztechnisch von der Wall Street wegrückten, desto gelassener wurde der Kurssturz in New York gesehen. Südkoreas Kospi-Index beendete den Börsentag nur 1,5 Prozent unter dem Vortagsniveau. Und der Shanghai SE Composite Index verlor bis 14 Uhr Ortszeit nur 2,6 Prozent. 

So sieht die in Hong Kong ansässige ING Bank Chefökonomin für China, Iris Pang, den heutigen Verlauf als eine „technische Korrektur, die normalerweise nur eine kurze Zeit anhält, wenn es keine grundsätzlichen Probleme gibt.“  Schon bald, so glaubt sie, werden Investoren wieder überverkaufte Aktien aufkaufen und der Börse helfen, sich zu erholen.


Rob Carnell, der die gesamte asiatische Wirtschaft für ING Bank beobachtet, geht auch nicht davon aus, dass die chinesische Regierung bei einem leichten Minus schon einschreiten wird. „Hier handelt es sich um ein globales Phänomen und nicht um ein heimisches Problem. Daher wird Peking es erst einmal beobachten.“

Konkret bedeutet es, dass erst wenn der Shanghai Composite unter 3000 Punkte fallen sollte, glaubt Pan Shaochang, Analyst bei Dongguan Securities, werde die chinesische Zentralbank einschreiten. Peking hatte seit dem Börsencrash von 2015 mehrmals interveniert. So hat das „nationale Team“, bestehend aus mehreren staatlich geführten Investmentfirmen, seit einiger Zeit Blue Chip Aktien aufgekauft, um Stabilität und Zuversicht in den Markt zu bringen. Das Organ der Partei, die Tageszeitung Renmin Ribao, hatte erst vor kurzem davor gewarnt, dass es zu einem globalen Börsensturz von bis zu zwanzig Prozent kommen könnte. Seitdem, so Pan, hätte Peking mehrere Vorkehrungsmaßnahmen angeordnet.

Auch Japan regierte keineswegs mit Panik. „Mal ganz ehrlich, das was jetzt passiert ist ja kein Massaker“, meint Jesper Koll, Chef des japanischen Zweigs des Investors WisdomTree. Man könne zwar darüber streiten, wie es jetzt weiterginge. „Aber es musste eine Korrektur geben. Denn das eigentlich Angst einflößende ist, dass wir in den letzten 15 Monaten keinen wirklichen Einbruch hatten,“ so Koll. 
Mit nur relativ kleinen Schwankungen stiegen die Kurse in den USA immer weiter. Dabei hätte Koll zwischendurch Kurskorrekturen von zehn bis 15 Prozent durchaus für gesund gehalten. Seit dem zweiten Weltkrieg hätte es in den USA 44 Kurskorrekturen von über zehn Prozent gegeben. Man sei daher noch nicht in einem Bärenmarkt. 


Japans Unternehmen stehen so gut da wie lange nicht


Falls die Kurse zu stark nachgeben,  Koll allerdings mit stützenden Eingriffen der Notenbank. Die Notenbank hat sich bereits eine großzügige Quote für den Erwerb von Exchange Traded Funds zugestanden, die den Aktienmarkt abbilden. Und sie könnte ihre Käufe durchaus reaktivieren, um ein Signal zu senden, meint Koll.

Koll glaubt zudem, dass sich die Kurse japanischer Aktien mittelfristig vom US-Markt abkoppeln können. Denn im Gegensatz zum hochbewerteten US-Markt würden Japans Firmen mit dem 15- bis 16-fachen Kurs-Gewinnverhältnis unter ihrem langjährigem Durchschnitt bewertet. Gleichzeitig erzielen sie Gewinnrekorde und erhöhen die Dividenden. „Wir sind in Japan noch lange nicht in Bubble-Territorium“, meint Koll daher.

Gleichzeitig steht die Japan AG finanziell so gut wie schon lange nicht mehr da. Hiroki Tsujimura, der Chief Investment Officer des japanischen Vermögensverwalters Nikko Asset Management schätzt, dass die Firmengewinne im bis Ende März laufenden japanischen Bilanzjahr um 11,6 Prozent wachsen werden. Selbst der ehemalige Krisenfall Sony kündigte vorige Woche auf einmal wieder Rekordgewinne an.


Doch dies ist für Tsujimura noch nicht das Ende des möglichen Wachstums. Vollbeschäftigung führt in Japan zu höheren Investitionen in arbeitssparende Technik. Gleichzeitig haben sich viele Firmen in den vergangenen 20 Jahren stark restrukturiert, so dass sie mit dem wirtschaftlichen Aufschwung in Japan und dem Rest der Welt nun Rekordmargen erzielen. Diese Entwicklungen würden dazu beitragen, dass sich Japans Firmen sogar vom Wechselkurs abkoppeln, meint der Japan-Experte.

Doch damit nicht genug: Von dem Höhenflug profitieren auch die Aktionäre. Die Dividenden könnten im Bilanzjahr 2017 um 12,3 Prozent auf 8,2 Billionen Yen (61 Milliarden Euro) steigen, sagt Chongjun Wong, Analyst von IHS Markit voraus. „Getragen von günstigen Rückenwinden wie robusten Wachstumsprognosen und einem schwachen Yen erwarten wir, dass sich der Schwung auch 2018 fortsetzen wird“, orakelt Wong. Er sagt voraus, dass die Dividenden im kommenden Bilanzjahr um weitere 9,6 Prozent auf neun Billionen Yen steigen könnten.