Nordkorea feuert drei Kurzstreckenraketen ab

Keine Entspannung auf der koreanischen Halbinsel: Während eines US-südkoreanischen Manövers feuerte Nordkorea am Samstag nach Angaben der US-Armee drei Kurzstreckenraketen ab, die ins Meer fielen

Im Konflikt mit Nordkorea zeichnet sich weiter keine Entspannung ab: Das Land feuerte am Samstag nach US-Angaben drei Kurzstreckenraketen ab - offenbar eine Reaktion auf ein gemeinsames Militärmanöver der USA und Südkoreas. China verschärfte seine Sanktionen gegen die Regierung in Pjöngjang in Übereinstimmung mit einem UN-Beschluss.

Ein Sprecher des US-Pazifikkommandos teilte mit, die nordkoreanischen Raketen seien ins Meer gestürzt. Sie hätten weder eine Gefahr für das nordamerikanische Festland dargestellt noch für die Pazifikinsel Guam, auf der die USA mehrere Militärstützpunkte unterhalten. Nordkorea hatte Anfang August damit gedroht, Raketen in Richtung Guam abzufeuern. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Pjöngjang mit "Feuer und Wut" indirekt einen Atomwaffeneinsatz angedroht.

Die Starts der nordkoreanischen Raketen erfolgten der US-Armee zufolge am Samstag über einen Zeitraum von 30 Minuten. Zwei der Geschosse seien 250 Kilometer in nordöstliche Richtung geflogen. Eine dritte Rakete sei nach dem Start explodiert. Zunächst hatte das Militär angegeben, alle drei Flüge seien gescheitert.

Trump wurde nach Angaben des Weißen Hauses über den Raketenabschuss informiert. Der US-Präsident hatte am Mittwoch gesagt, der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un fange an, die USA zu "respektieren".

Kim hatte Mitte August erklärt, er sehe zunächst davon ab, Raketen in Richtung von Guam abzuschießen. Er wolle Washingtons Verhalten erst "noch etwas länger beobachten". Zugleich rief Kim die US-Regierung auf, alle Provokationen gegen sein Land "sofort" zu stoppen. Andernfalls würden die Raketen doch über Japan in Richtung Guam abgefeuert.

Ein Analyst des Korea Defence Network, Lee Il Woo, bewertete Nordkoreas Raketentest als "niedrigschwellige Provokation". Pjöngjang habe damit auf das Manöver der USA und Südkoreas reagiert. Die zweiwöchige Übung hatte am Montag begonnen. An dem Großmanöver mit dem Namen "Ulchi Freedom Guardian" beteiligen sich zehntausende Soldaten, davon 17.500 aus den USA. Dabei wird mit Hilfe von Computern ein Angriff Nordkoreas simuliert.

Pjöngjang hatte im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet, die nach Angaben der Regierung Ziele auf dem US-Festland erreichen können. Daraufhin verschärfte sich der Ton zwischen Washington und Pjöngjang deutlich. Am Mittwoch meldete die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA, Staatschef Kim habe angeordnet, mehr Raketentriebwerke und Raketensprengköpfe herzustellen.

Als Reaktion auf das Raketenprogramm untersagte es Peking nordkoreanischen Firmen und Staatsbürgern, Unternehmen in China zu gründen. Anträge Pjöngjangs auf neue chinesische Investitionen in Nordkorea wies das Handelsministerium in Peking ebenfalls zurück. Damit setzt die Volksrepublik China neue Wirtschaftssanktionen um, die der UN-Sicherheitsrat Anfang August beschlossen hatte.

In der vergangenen Woche hatte China bereits seine Importverbote gegen Nordkorea ausgeweitet. Betroffen sind neuerdings Eisen, Eisenerz und Meeresfrüchte. Bereits seit Februar sind Kohleimporte untersagt. China ist Nordkoreas wichtigster Verbündeter.