US-Abgeordnete ziehen mit Afghanistan-Reise Kritik auf sich

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Demokratin Nancy Pelosi

Mit einer nicht genehmigten Afghanistan-Reise inmitten der dramatischen Evakuierungsmission haben zwei US-Abgeordnete scharfe Kritik auf sich gezogen. Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte am Mittwoch, der Besuch des Republikaners Peter Meijer und des Demokraten Seth Moulton am Flughafen von Kabul habe wichtige Ressourcen beansprucht, die für die Evakuierungsmission benötigt würden. "Das ist tödlicher Ernst", sagte die Demokratin. "Wir wollen nicht, dass Abgeordnete dorthin reisen."

Noch deutlicher drückte sich ein US-Regierungsvertreter gegenüber der "Washington Post" aus. "Das ist dumm und egoistisch." Die Abgeordneten hätten Flugzeugplätze weggenommen, die für eine Ausreise von US-Bürgern und gefährdeten Afghanen benötigt würden. Sie hätten Diplomaten und Soldaten einem erhöhten Risiko ausgesetzt, "damit sie einen Moment vor der Kamera haben können". Ein Diplomat sprach gegenüber der Zeitung von "einer der verantwortungslosesten Dinge von Abgeordneten", von der er gehört habe.

Moulton und Meijer - zwei Irak-Veteranen - waren am Dienstag nach Kabul gereist, um sich ein Bild von der Lage zu machen. "Wir haben den Besuch geheim gehalten, um das Risiko und die Auswirkungen auf die Mission zu reduzieren, und wir haben darauf bestanden, in einem Flugzeug auszufliegen, das nicht voll war", schrieb Moulton im Kurzbotschaftendienst Twitter. Sie hätten niemandem einen Platz weggenommen.

Pelosi betonte noch am Dienstag in einer Erklärung, Abgeordnete sollten auf Verlangen des Pentagon und des Außenministeriums nicht nach Afghanistan fliegen. "Reisen von Abgeordneten nach Afghanistan und in Nachbarstaaten würden unnötigerweise Ressourcen umleiten, die für die Haupt-Mission benötigt werden, Amerikaner und gefährdete Afghanen sicher und schnell aus Afghanistan zu evakuieren."

Die USA und andere westliche Staaten bringen nach der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in einer fieberhaften Evakuierungsmission ihre Staatsangehörigen und afghanische Ortskräfte außer Landes. Die Zeit drängt: US-Präsident Joe Biden bekräftigte am Dienstag seine Absicht, den US-Militäreinsatz in Afghanistan bis zum 31. August zu beenden. Die Evakuierungsflüge dürften noch in dieser Woche enden, weil dann noch einige Tage benötigt werden, zur Sicherung des Kabuler Flughafens eingesetzte US-Soldaten abzuziehen.

fs/yb

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