US-Ökonom Barry Eichengreen sieht in Trump eine Gefahr für den Dollar


Als brandgefährlich für den Dollar sieht der amerikanische Top-Ökonom Barry Eichengreen die Politik von US-Präsident Donald Trump an. „Die traditionellen Alliierten der USA sehen, wie Trump gegen sie vorgeht und sich ihren Gegnern annähert, das schwächt die Position des Dollars als internationale Reservewährung.“

Eichengreen sprach am Rande eines Seminars der Bundesbank und der Banque de France in Paris mit dem Handelsblatt. Er begründete seine Warnung damit, dass die Position des Dollars als sicherer Hafen und Reservewährung in starkem Maße von der US-Sicherheitspolitik abhänge.

„Länder, die mit den USA verbündet sind, halten deutlich mehr Dollar, als sie aus rein wirtschaftlichen Gründen müssten, das ist sozusagen ein Zeichen des guten Willens.“ Nehme die Glaubwürdigkeit des Bündnisses mit den USA ab, verringere sich entsprechend die Motivation, Dollar zu halten. Trump aber schwäche die Sicherheits-Allianzen der USA – und damit auch die Position der eigenen Währung.


Der in Berkeley in Kalifornien lehrende Eichengreen ist einer der führenden Experten für das Weltwährungssystem. Er sieht einen zweiten Zusammenhang, durch den Trump dem US Dollar schade: „Je mehr der Eindruck entsteht, dass Trump den Dollar benutzt, um außenpolitische Ziele zu erzwingen, werden internationale Anleger sich nach einer alternativen Währung umsehen.“

Auf die Frage, wie nahe man einer solchen Entwicklung heute schon sei, sagte Eichengreen dem Handelsblatt: „Ich glaube, dass wir bereits sehr nahe daran sind, denn Amerikas Bündnispartner sehen das, was Trumps Verhaltensmuster zu sein scheint, auch wenn man das wohl kaum eine Strategie nennen kann.“ Eichengreen fügte hinzu: „Was derzeit vor sich geht, haben wir in der Geschichte noch nie zuvor erlebt.“

Der US-Ökonom hatte sich in der Vergangenheit manchmal auch skeptisch über den Euro geäußert. Mittlerweile sieht er eine stärkere internationale Rolle der Gemeinschaftswährung, sowohl was die Verwendung im Handel als auch die Nutzung als Mittel zur Wertaufbewahrung angeht.

Die weitere Stärkung der internationalen Rolle des Euros hänge von mehreren Faktoren ab: „Der Euro muss eine breitere Plattform werden, es muss ausreichend liquide Anlagemöglichkeiten geben, die Euro-Zone muss Probleme wie die von Italien hinter sich bringen, sie muss die Kapitalmarktunion vollenden, und letzten Endes stellt sich auch die Frage, welche Rolle Europa in der Verteidigungspolitik spielen kann, inwieweit es die Funktionen der Nato übernehmen kann.“


Trotz der zunehmenden wirtschaftlichen Stärke Chinas sieht Eichengreen die internationale Rolle des Yuans eher skeptisch. „Historisch ist es so, dass alle internationalen Reservewährungen von Republiken und Demokratien ausgegeben wurden, angefangen von den italienischen Stadtstaaten über die Niederlande bis hin zu den heutigen Demokratien.“

Das sei auch sehr einfach nachzuvollziehen, denn nur in Demokratien könnten Anleger die Gewissheit haben, dass die Machthaber den Wert der Währung nicht willkürlich manipulieren. „Kann man dieselbe Gewissheit haben, wenn man sich die chinesische Staats- und Parteiführung ansieht?“, fragt der Ökonom.

Was die Stärkung der Euro-Zone angeht, hat Eichengreen eine erstaunlich positive und optimistische Einstellungen. Was Macron und Merkel vor einigen Tagen in Meseberg vereinbart hätten, kenne er im Detail nicht. Doch die Nutzung des europäischen Stabilitätsmechanismus für die vorübergehende Stützung einzelner Mitgliedstaaten, verbunden mit der Möglichkeit einer Schuldenrestrukturierung, das „könnte die Grundlage für eine Einigung sein, der sogar der italienische Premierminister Conte zustimmen könnte“.