Ein Urteil, viele offene Fragen

Eine Bewährungsstrafe für Ex-Geheimagent Werner Mauss. Das Landgericht Bochum blieb damit weit hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Das Urteil ist kaum nachzuvollziehen. Ein Kommentar.


Werner Mauss bleibt auf freiem Fuß. Zwar hat das Landgericht Bochum den Geheimagenten wegen Steuerhinterziehung in zehn Fällen verurteilt, die Strafe ist allerdings moderat. Eine Haftstrafe von zwei Jahren verhängten die Richter. Das heißt: Der 77-Jährige muss nicht in das Gefängnis, wenn er sich in den kommenden zwei Jahren bewährt.
Der Fall Mauss ist wieder einmal ein Beispiel dafür, dass die deutsche Justiz mit Steuerhinterziehern äußerst nachsichtig umgeht. Dabei hatte der Bundesgerichtshof vor einigen Jahren in einer Grundsatzentscheidung neue Maßstäbe dafür gesetzt, wann eine Bewährungsstrafe für Steuerhinterzieher eigentlich nicht mehr in Frage kommt: Wer dem Fiskus mehr als eine Million Euro vorenthält, sollte in aller Regel um eine Gefängnisstrafe nicht mehr herumkommen.

Werner Mauss hat nach den Ermittlungen der Steuerfahnder und Staatsanwälte weit höhere Beträge verheimlicht. Rund 14 Millionen Euro Steuern soll der Mann hinterzogen haben, weil er Vermögen auf Geheimkonten gebunkert hat. Außerdem war Mauss mit dubiosen Spenden an die rheinland-pfälzische CDU aufgefallen. Der Geheimagent agierte dabei wie so oft unter einem Tarnnamen.


Die Staatsanwaltschaft war bis zum Ende der seit September 2016 laufenden Hauptverhandlung am Landgericht Bochum von Mauss´ Missetaten überzeugt. Die Ankläger forderten in ihrem Plädoyer eine Gefängnisstrafe von sechs Jahren und drei Monaten. In dem Verfahren hätten sich die Vorwürfe „eindrucksvoll bestätigt“. Der Mauss-Version, es handle sich nicht um sein eigenes Geld, sondern er habe lediglich ein fremdes Vermögen „treuhänderisch“ verwaltet, schenkten sie keinen Glauben.

Die nun verhängte Strafe ist kaum nachvollziehbar. Denn tatsächlich ist es Mauss nicht gelungen, seine These durch Beweise zu stützen. Die von ihm benannten Zeugen blieben im Verborgenen und trugen kaum zur Aufklärung bei. Mauss konnte zudem nicht darlegen, wie er seinen opulenten Lebensstil bestritt, ohne das angebliche Treuhandvermögen anzutasten.

Insofern ist es gut, dass die Akten im Fall Mauss noch nicht geschlossen werden. Mauss selbst hat bereits angekündigt, gegen das Urteil Revision einzulegen. Womöglich wird die Staatsanwaltschaft es ihm gleichtun.



KONTEXT

Vita Werner Mauss

Sagenumwobene Geheimagent

Detektiv

Beinahe wäre Deutschlands wohl berühmtester Geheimagent gar nicht Geheimagent geworden. Der gebürtige Essener machte zunächst eine Ausbildung zum Landwirt. Doch dann schulte der heute 76-Jährige um und gründete eine Detektei.

Agent

1969 war Mauss vermutlich für die Verhaftung der entflohenen Verbrecher Alfred Lecki und Werner Derks verantwortlich. 1976 wirkte Mauss wohl an der Festnahme des RAF-Terroristen Ralf Pohle mit. 1983 half er, giftige Seveso-Fässer aufzuspüren. 1987 soll Mauss den Siemens-Techniker Alfred Schmidt und den Hoechst-Manager Rudolf Cordes aus den Händen der libanesischen Hisbollah-Miliz befreit haben.

Ruhestand

Während eines Einsatzes in Kolumbien wurde Mauss 1996 schließlich enttarnt. Er sollte eine von Rebellen entführte Deutsche außer Landes bringen. Die Aktion brachte ihm neun Monate U-Haft ein. In den letzten Jahren ist es ruhiger um Mauss geworden. Nach eigenen Angaben ist er aber weiter für den Weltfrieden im Einsatz.