Urteil im Verleumdungsprozess: Jury spricht Depp und Heard schuldig

Johnny Depp sieht sich als der Gewinner im Prozess gegen seine Ex-Frau. (Bild: 2022 Getty Images/Kevin Dietsch)
Johnny Depp sieht sich als der Gewinner im Prozess gegen seine Ex-Frau. (Bild: 2022 Getty Images/Kevin Dietsch)

Sechs Wochen nachdem der US-Schauspieler Johnny Depp und seine Ex-Frau Amber Heard in einem Verleumdungsprozess gegeneinander vor Gericht gezogen waren, ist das Urteil gefallen: Die Jury sprach beide Parteien für schuldig, doch Depp freute sich dennoch.

Es war der aufsehenerregendste Gerichtsprozess des Jahres: Sechs Wochen lang lieferten sich der US-Schauspieler Johnny Depp und dessen Ex-Frau Amber Heard vor einem Gericht in den USA eine Schlammschlacht. Dabei ging es hauptsächlich um Verleumdung, doch auch sexueller Missbrauch, körperliche Gewalt und Drogen wurden immer wieder thematisiert. Am Mittwochabend gegen 21 Uhr nach deutscher Zeit hat die Jury ihr Urteil gefällt. Demnach sind sowohl Depp als auch Heard schuldig. Der "Fluch der Karibik"-Star geht dennoch als Sieger aus dem Prozess hervor.

Amber Heard muss nach dem Urteil 10,35 Millionen Dollar Schadensersatz an Johnny Depp zahlen. Die ursprünglich verkündete Summe von 15 Millionen Dollar wurde aufgrund rechtlicher Vorschriften im US-Bundesstaat Virginia reduziert. Heard sprach die Jury Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Dollar zu. Demnach muss Heard ihrem Ex-Mann letztlich 8,35 Millionen Dollar zahlen. Ein Berufungsverfahren ist wahrscheinlich. Bei der Urteilsverkündung war lediglich die 36-jährige Heard in Begleitung ihrer Schwester anwesend. Der 58-jährige Depp hingegen stand zeitgleich bei einem Konzert von Jeff Beck in der Royal Albert Hall in London auf der Bühne.

Nach der Schlappe vor Gericht zeigte sich Amber Heard bitter enttäuscht. (Bild: Getty Images / Win McNamee)
Nach der Schlappe vor Gericht zeigte sich Amber Heard bitter enttäuscht. (Bild: Getty Images / Win McNamee)

"Die Jury gab mir mein Leben zurück"

Nach der Urteilsverkündung meldete sich der Schauspieler via Facebook zu Wort: "Die Jury gab mir mein Leben zurück", heißt es in dem eineinhalbseitigen Statement: "Das Ziel, diesen Prozess voranzubringen, war von Anfang an, die Wahrheit ans Licht zu bringen - egal, wie es ausgehen würde. Die Wahrheit zu sagen war etwas, was ich meinen Kindern und all denjenigen, die mich immer unterstützt haben, geschuldet habe. Jetzt, wo ich das geschafft habe, fühle ich einen inneren Frieden in mir." Nun will er nach vorne blicken: "Das Beste kommt erst noch. Veritas numquam perit. Die Wahrheit vergeht nie."

"Die Enttäuschung, die ich heute empfinde, ist unbeschreiblich"

Amber Heard äußerte sich via Twitter und Instagram zu dem Urteil: "Die Enttäuschung, die ich heute empfinde, ist unbeschreiblich", schrieb sie. "Ich bin untröstlich, dass der Berg an Beweisen immer noch nicht ausreichte, um der unverhältnismäßigen Macht, dem Einfluss und dem Einfluss meines Ex-Mannes standzuhalten." Noch enttäuschter sei sie jedoch darüber, "was dieses Urteil für andere Frauen" bedeute: "Es ist ein Rückschlag. Es dreht die Uhr zurück auf eine Zeit, in der eine Frau, die ihre Meinung sagt, öffentlich beschämt und gedemütigt werden konnte." Eine Zeit, in der "Gewalt gegen Frauen nicht ernst genommen wird".

Sie fuhr fort: "Ich glaube, Johnnys Anwälte haben es geschafft, die Geschworenen dazu zu bringen, die Schlüsselfrage der Meinungsfreiheit zu übersehen und Beweise zu ignorieren, die so schlüssig waren, weshalb wir in Großbritannien gewonnen haben. Ich bin traurig, dass ich diesen Fall verloren habe. Aber ich bin noch trauriger darüber, dass ich offenbar ein Recht verloren habe, von dem ich dachte, dass ich es als Amerikaner hätte - frei und offen zu sprechen."

Langer Streit

Vor rund zwei Jahren hatten sich Depp und Heard schon einmal in einem Prozess gegenüber gestanden: Der US-Schauspieler klagte gegen die britische Boulevardzeitung "The Sun", die 2018 in einem Artikel die Behauptung aufstellte, Depp sei ein "Frauenschläger" ("wife beater") und habe Heard körperlich misshandelt. Diese Vorwürfe wies Depp zurück, klagte gegen den Herausgeber der Boulevardzeitung, News Group Newspapers (NGN), und den Chefredakteur Dan Wootton. Im Gegenzug beschuldigte Depp seine Ex-Frau, ihm gegenüber gewalttätig gewesen zu sein. Der High Court wies die Klage am Ende ab.

Depp und Heard hatten sich 2011 bei den Dreharbeiten zum Film "The Rum Diary" kennengelernt und sich ineinander verliebt. 2015 folgte das romantische Jawort, das jedoch 2016, nach nur 15 Monaten Ehe, in einer Schlammschlacht endete. Die Scheidung wurde 2017 rechtskräftig.

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