Urteil am Landgericht: Lebenslange Haft wegen Mord an schwangerer Ehefrau

48-Jähriger erschoss Tina G. mit zwei Schüssen – Richter spricht von „Hinrichtung“.

Während der Angeklagte Mehdi K. während der Urteilsbegründung stoisch ins Leere blickt, grinst ihn die ältere Schwester des Mordopfers, die ihm als Nebenklägerin gegenübersitzt, ein ums andere Mal triumphierend an.

Als sie Mehdi K. nach Ende der Verhandlung erneut anlacht, sich gestenreich beim Gericht bedankt und ihrem Schwager etwas auf Persisch hinterherruft, schreiten die Wachleute ein. „Ruhe jetzt“, ruft einer der Frau zu. „Wir sind hier nicht im Kindergarten“, kommentiert sein Kollege gereizt.

Ende eines emotionalen Mordprozesses

Das bizarre Ende eines emotionalen Mordprozesses vor dem Landgericht. Regungslos, mit versteinerter Miene, hat Mehdi K. kurz vorher zur Kenntnis genommen, wie der Richter ihn wegen Mordes lebenslang ins Gefängnis geschickt hat.

Der 48-Jährige zuckt nicht einmal, als der Vorsitzende ihm in deutlichen Worten klarmacht, dass nur er allein verantwortlich ist für die beiden tödlichen Schüsse, die er im November 2016 in Weiden auf seine Ehefrau Tina G. (36) abgegeben hat.

Detailliert zerpflückt der Richter K.’s Behauptungen, die er noch am vorletzten Prozesstag geäußert hatte. Demnach, so K., habe er gesehen, wie ein fremder Mann seine Ehefrau vor dem Georg-Büchner-Gymnasium erschossen hat und geflüchtet ist.

Unglaubwürdige Ausflüchte

Beim Gericht fand der 48-Jährige damit kein Gehör. „Die Geschichte vom unbekannten Dritten nehmen wir Ihnen nicht ab“, betonte der Richter. „Diese Version kann hinten und vorne nicht stimmen, das ist eine Schutzbehauptung.“

Zum Verhängnis wurde dem Angeklagten vor allem sein detailliertes Geständnis, das er nach der Tat bei der Polizei abgelegt hatte. Es nützte ihm auch nichts, dass er das Geständnis im Prozess widerrief.

Jede Menge „Täterwissen“

In seiner Vernehmung hatte er bereits jede Menge „Täterwissen“ preisgegeben – Einzelheiten etwa zu den Verletzungen des Opfers oder zur Situation am Tatort, die nur der Mörder kennen konnte. Außerdem hatte K. die Tat auch einem Verwandten und einem Klinikarzt gestanden.

Demnach hat er Tina G. nach dem Besuch eines Weihnachtsmarktes am Schulzentrum nahe der gemeinsamen Wohnung mit zwei Schüssen in Kopf und Herz getötet. Der Richter sprach von einer „Hinrichtung“ des Opfers.

Nicht mit den Schüssen gerechnet

Heimtückisch sei der Mord gewesen, befand das Gericht, weil Tina G. nicht mit den Schüssen gerechnet hätte. Sie saß auf einem Fahrradständer und wollte sich eine Zigarette anzünden, als ihr Ehemann aus etwa 20 Zentimetern Entfernung abdrückte. Die 36-Jährige erwartete ein Kind von ihm, weshalb K. sich zusätzlich eines Schwangerschaftsabbruchs schuldig gemacht hat.

Das Gericht nahm dem 48-Jährigen auch nicht ab, dass er – wie er in seinem Geständnis bei der Polizei behauptet hatte – eigentlich vorbeischießen wollte. „Wenn man das wirklich möchte, dann tut man das bei einer so geringen Entfernung auch“, sagte der Richter. „Und man schießt nicht auch noch ein zweites Mal und trifft erneut aus Versehen.“

Brutales Ende einer Beziehung

Als Motiv sieht die Kammer, dass Tina G. sich von ihrem eifersüchtigen Mann habe trennen wollen. Unmittelbar vor der Tat soll sie ihn mit den Worten „Verpiss dich“ aus der gemeinsamen Wohnung geschmissen haben. Der Mord, so heißt es in der Urteilsbegründung, sei „das tragische und äußerst brutale Ende einer kurzen, sehr wechselvollen Beziehung“....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta