Urteil: Kein Abschiebeverbot nach Afghanistan für jungen Mann

Für einen jungen und gesunden Afghanen besteht auch ohne Unterstützung durch Angehörige in seiner Heimat regelmäßig kein Abschiebeverbot aus Deutschland in die Region Kabul. Auch allein der formale Akt der Taufe und die damit begründete Zugehörigkeit zur katholischen Kirche führen nicht zu einem solchen Verbot, wie das rheinland-pfälzische Oberverwaltungsgericht in Koblenz laut Mitteilung vom Dienstag entschied. Der Kläger war 2015 nach Deutschland eingereist und hatte einen Asylantrag gestellt.

Ende 2016 wurde der Afghane rechtskräftig wegen Vergewaltigung und gefährlicher Körperverletzung zur einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Seine Klage gegen die Ablehnung seines Asylbescheids wies das Verwaltungsgericht ab. In seiner Berufung machte er geltend, dass er zwischenzeitlich katholisch getauft wurde. Daher fürchte er im Falle einer Rückkehr nach Afghanistan "erhebliche Gefahren für Leib und Leben", hieß es.

Das Oberverwaltungsgericht wies die Berufung nun zurück. Zwar seien Menschen, die sich vom Islam abgewandt hätten und zum Christentum konvertiert seien, in Afghanistan Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt, wenn ihre religiöse Überzeugung bekannt werde.

Das Gericht sei aber nicht überzeugt, dass bei ihm "eine ernstliche Hinwendung zum christlichen Glauben vorliege, die die religiöse Betätigung für ihn auch in Afghanistan unverzichtbar machen würde, um seine religiöse Identität zu wahren". Auch führten die "schlechten allgemeinen Lebensverhältnisse in Afghanistan" nicht zu einem Abschiebeverbot, insbesondere für junge, afghanische Männer ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen wie den Kläger.