„Die Urbane“: Eine „HipHop-Partei“, die Politik und Musik vereinen will

Bei der Bundestagswahl 2017 will auch die neugegründete „Urbane“ antreten.

Vier Tage vor Abgabe fehlen 500 Unterschriften. 500 Menschen, die in Gesprächen an der Straße, im Park oder im Café von einer Idee überzeugt werden müssen – von einer Vision, entstanden im Winter in Berlin. Also schnappt sich Raphael Hillebrand Papierbögen und Stift, geht raus und spricht Berliner an: „Hey, kennt ihr schon die neue Hip-Hop-Partei?“

Hillebrand ist 35 Jahre, Hip-Hop-Tänzer und Choreograf. In Berlin aufgewachsen. In Hong Kong geboren. Auf Fotos lächelt er sanftmütig aus seinem Kapuzenpullover oder wirbelt mit seinem Körper durch die Lüfte.

Rund sechs Monate zuvor hat er diese Idee: Eine neue Partei muss her. Er teilt auf Facebook eine Veranstaltung: „HipHop Partei Treffen“ am 18. Januar 2017. „Jeder hat etwas an der aktuellen politischen Situation zu kritisieren. Wir haben alle das Recht und die Pflicht uns an unserer Demokratie zu beteiligen“, schreibt er.

Mindestens 2000 Unterschriften nötig

20 Menschen kommen in den Kultur-Club Panke in Berlin-Wedding, der versteckt in einem Innenhof liegt. Es sind DJs, Musiker, Tänzer, Künstler, Freunde. Sie reden über Politik, über ihre Sicht auf die Welt, was sie bewegt, warum sie hier heute sind. Und sie fragen sich: Wie können wir Politik und Hip-Hop miteinander verknüpfen und sie auch wieder der Jugend näher bringen?

Wenige Monate später, am 1. Mai, gründen sie eine neue Partei: „Die Urbane. Eine HipHop Partei (du)“. Es wird ein Prozess, der sie an die Grenzen bringen wird. Lernen, leiden, lachen, wenig schlafen. Denn natürlich wollen sie zur Bundestagswahl zugelassen werden. Doch das ist gar nicht so einfach.

Denn laut Bundeswahlgesetz (BWahlG) braucht eine Partei dazu mindestens 2000 Unterstützerunterschriften. 69 Tage vor der Wahl müssen diese beim Bundeswahlleiter auf dem Tisch liegen – quasi als Beweis, dass es da draußen Menschen gibt, die ihre Stimme dieser Partei geben möchten. Nur etablierte Parteien dürfen darauf verzichten.

„Die Urbane“ nicht die einzige neue Partei

Bis kurz vor Schluss erlebt „Die Urbane“ eine Zitterpartie. Erst am letzten Tag haben die Mitglieder alle Unterschriften zusammen: 11,02 Kilogramm Formblätter mit persönlichen und handschriftlichen Unterschriften von Unterstützern liegen auf der Waage. Exakt 2177 gültige Unterschriften. Es reicht!

Insgesamt sind zur Bundestagswahl 48 Parteien zugelassen – zehn mehr als im Jahr 2013. „Die Urbane. Eine HipHop Partei“ ist längst nicht die einzige Partei, die sich neu gegründet hat. Die Partei Demokratie in Bewegung (DiB) zum Beispiel versucht sich ebenfalls als Neuling auf dem politischen Parkett und darf im September antreten. Sie hat sich keine geringere Aufgabe als die Rettung der Demokratie vorgenommen. Auch sie existiert erst seit April.

„Waren ganz schön naiv am Anfang“

Oder die Jugend- und Entwicklungspartei (JED), die im Februar von Schülern eines Gymnasiums in Nordrhein-Westfalen gegründet wurde und die sich für den Ausbau von digitalen Medien, für eine liberalere Drogenpolitik und das neunjährige Gymnasium stark macht. Auch die „Transhumane Partei Deutschland (TPD)“, die „V-Partei - Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer“ oder die „Magdeburger Gartenpartei“ tauchen als Kleinstparteien in der Liste auf.

„Wir waren ganz schön naiv am Anfang“, erinnert sich die Urbane-Parteivorsitzende Niki Drakos. Sie trägt Käppi und Turnschuhe, gab früher Streetdance-Unterricht, ist Mutter zweier Söhne. Die 45-Jährige arbeitet bei dem Berliner Projekt Frauenkreise, das Frauen und Familien in schwierigen Lebenslagen berät. Drakos Schwerpunkt ist Antirassismus und Feminismus.

140 Unterschriften bei Auftaktveranstaltung gesammelt

Zusammen mit Hillebrand bildet Drakos die Urbane-Doppelspitze: Eine paritätisch besetzte Spitze, wie es sie auch bei den Grünen oder den Linken gibt. „Dem...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung