Nach Unwetter: Stürmische Zeiten für die Bahn

Sturmtief „Herwart“ hat den Zugverkehr weitgehend lahmgelegt

Es war eine der cleversten Werbekampagnen der Nachkriegsgeschichte, oft kopiert, nie vergessen: "Alle reden über das Wetter – wir nicht", lautete ab 1966 über Jahrzehnte der Reklamespruch der Deutschen Bundesbahn. Egal ob Schnee, Eis, Nebel oder Sturm das Land lähmten, das Staatsunternehmen versprach: "Wir fahren immer."

Heute hätte nur noch ein Slogan Wahrheitsgehalt: "Wir fahren immer… seltener." Seit Ende Juni kommt es im Norden nun schon zum vierten längeren Ausfall des Zugverkehrs mit massiven Streckensperrungen. Früher zitterte die Bahn vor dem streikfreudigen Gewerkschaftchef Weselsky, nun legen Tiefdruckgebiete wie "Herwart", "Xavier" oder "Sebastian" den Bahnverkehr bald im Wochenrhythmus still.

Sicherlich mag es eine Häufung von Unwetterlagen geben – früher aber meldete die Bahn selbst nach Jahrhundertorkanen wie "Quimburga" im November 1972 nur "mehrstündige Verspätungen". Die Ursachen reichen tiefer: Ein in manchen Bereichen übertriebener Natur- und Baumschutz behindert die Bahn. Zudem ist kaum ein Unternehmen so eng mit dem Gesetzgeber verbandelt wie die Deutsche Bahn, die zu 100 Prozent dem Bund gehört – und dessen Vorstand für Infrastruktur, Roland Pofalla, fast direkt aus dem Kanzleramt kam.

Die Malaise dieser Tage wirft Fragen nach Fehlern bei der Bahnprivatisierung auf. Die renditeoptimierte Bahn AG hat möglicherweise an falscher Stelle gespart. Es fällt auf, dass Schäden immer langsamer beseitigt werden und die Pflege der Infrastruktur in der Vergangenheit unz...

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