Unterwegs ins Hightech-Zeitalter


Dem Anlass entsprechend hat Munich Re-Chef Joachim Wenning die geballte Digital-Kompetenz seines Hauses anrücken lassen. Unter den Motto „Driving Digital Transformation“ kamen am Dienstag – wie jedes Jahr um diese Zeit – Analysten und Großanleger in München zum Investorentag zusammen. Die Stoßrichtung war jedoch völlig anders als noch unter seinem Vorgänger Nikolaus von Bomhard: Keine Diskussion über die Preisentwicklung in der Rückversicherung oder hohe Schäden wie nach den Hurrikans im Golf von Mexiko im Spätsommer.
Stattdessen sollte der Blick auf eine Munich Re gerichtet werden, wie sie sich in den Augen des neuen Vorstandschefs in der Zeit ab dem Jahr 2020 präsentieren soll. Nämlich an der Spitze des digitalen Fortschritts. In der breiten Öffentlichkeit dürfte der sich natürlich zuallererst bei der Tochter Ergo zeigen.


Der Düsseldorfer Erstversicherer, in Deutschland die Nummer zwei am Markt hinter der Allianz, will den Online-Anteil im Endkundengeschäft bis zum Jahr 2020 auf rund 25 Prozent steigern. Das kündigte Mark Klein, der Chief Digital Officer, an diesem Tag an. Zum Vergleich: Noch im Jahr 2005 waren es verschwindend geringe zwei Prozent.

Den Trend forcieren soll dabei die gerade gestartete Online-Tochter Nexible, die mit all den Attributen wirbt, die es heute braucht, um in der Branche als jung und attraktiv zu gelten. Digital, intuitiv und transparent will man sein. Das Ziel von Digital-Chef Klein bei Ergo ist damit auch entsprechend hoch, wie er an diesem Tag betont. Die Nummer eins bei Thema Digitalisierung will er werden in Deutschland. Dafür investiert die Ergo allein 140 Millionen Euro in neue Software.

Aber auch die Konkurrenz hat längst erkannt, wie wichtig es ist, hier vorne mit dabei zu sein. Bei Allianz, Huk, Talanx und Co. fließen seit geraumer Zeit ebenfalls hohe Millionenbeträge. Der Kampf um Kunden, Verträge und Margen wird in den kommenden Jahren somit nicht nur, aber doch in immer höherem Maße auf technischer Seite entschieden. Da droht dann auch so manche Enttäuschung, sollten solche Pläne nicht aufgehen.


Es sind aber nicht nur die nach außen sichtbaren Produkte, die der 137 Jahre alten Munich Re auch im nächsten Jahrzehnt die Position als einer der führenden Versicherer der Welt sichern sollen. Seine Ankündigung von Netto-Investitionen über eine Milliarde Euro bis ins Jahr 2020 hat Vorstandschef Wenning am Dienstag noch einmal wiederholt.

Das Spektrum dabei reicht von der Beteiligung an jungen Start-Ups bis hin zu Kooperationen mit unterschiedlichen Partnern aus der Technologiewelt wie der Deutschen Telekom oder SAP. Von Projekt zu Projekt und frei von Berührungsängsten arbeiten die Dax-Konzerne immer häufiger zusammen.

Eine Stufe tiefer bei den Start-Ups hat die Munich Re bisher mehr als 60 Millionen Euro in mittlerweile mehr als zehn Firmen investiert. „Sie haben die Erfahrung im Front-Office, aber nicht in Versicherungsdingen“, schildert Munich Re-Chef Wenning die unterschiedliche Herangehensweise, wenn beide Welten aufeinander treffen.


Beide kommen insofern nur dann zusammen, wenn jeder den anderen mit seiner Expertise unterstützt. Das war bisher aber nie ein Problem. Dass die Münchener jederzeit offen sind, sollten sich weitere Möglichkeiten ergeben, hat Wenning schon in der Vergangenheit mehrmals erwähnt. Vor den Investoren am Dienstag betont er es trotzdem noch einmal.

Die Investoren hörten das alles offensichtlich gerne. Die Aktie der Munich Re stieg am Dienstag um mehr als ein Prozent und damit stärker an der Dax.