Untersuchung nach verdächtigem Todesfall in Teheraner Ewin-Gefängnis

Nach einem verdächtigen Todesfall im Teheraner Ewin-Gefängnis hat die iranische Justiz eine Untersuchung eingeleitet. Teherans Generalstaatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi sagte am Dienstag laut der justiznahen Nachrichtenseite Mizanonline, die Wächter seien bereits befragt worden. Der reformorientierte Abgeordnete Mahmud Sadeghi schrieb auf Twitter, ein bei den jüngsten Protesten festgenommener junger Mann sei in Ewin gestorben.

Mehrere Justizvertreter bestritten aber, dass der Mann bei den Protesten festgenommen worden war, die Ende Dezember das Land erschüttert hatten. Einer sagte der Nachrichtenagentur Ilna, es handle sich um einen Drogenschmuggler, der sich das Leben genommen habe. Ein anderer Justizvertreter sagte, der als Sina Ghanbari identifizierte Mann habe sich am Samstag in den Toilettenräumen erhängt.

Laut Sadeghi wurden bei den landesweiten Protesten 3700 Menschen festgenommen. Regierungsvertreter sagten, die meisten Festgenommenen seien bereits wieder frei. Sadeghi warnte, nach den Protesten drohe "ein zweites Kahrisak". Dies war der Name eines berüchtigten Gefängnisses im Süden Teherans, das 2009 nach Foltervorwürfen geschlossen worden war.

Mindestens drei Häftlinge wurden in Kahrisak während der Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad im Juni 2009 zu Tode gefoltert. Der damalige Teheraner Staatsanwalt Said Mortasawi wurde im vergangenen November wegen seiner Mitverantwortung für einen der Todesfälle zu zwei Jahren Haft verurteilt.