Unterstützerteam: Russische Behörden drohen mit Zwangsernährung Nawalnys

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Polizisten bewachen Eingang des Straflagers Pokrow

Die russischen Behörden drohen offenbar mit der Zwangsernährung des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny, der sich im Hungerstreik befindet. Nawalnys Team erklärte am Montag im Onlinedienst Twitter, angesichts der "Ernsthaftigkeit" von dessen Hungerstreik drohe die Gefängnisverwaltung "täglich" mit Beginn der Zwangsernährung. Der 44-Jährige war Ende März aus Protest gegen seine Haftbedingungen in einem Straflager in den Hungerstreik getreten und hat seitdem nach Angaben seines Teams acht Kilogramm verloren.

 Nawalnys Unterstützer hatten zuletzt über eine weitere Verschlechterung von dessen Gesundheitszustand berichtet. Der Oppositionelle hat demnach Schmerzen im Rücken und Taubheitsgefühle in Beinen und Armen. Mit dem Hungerstreik will er seine Behandlung durch einen Arzt durchsetzen.

 Vergangene Woche hatte Nawalny zudem über Husten und Fieber geklagt und war in die Krankenstation des Lagers verlegt worden. Nach Angaben seines Teams wurde er mittlerweile aber zurück in die Baracken gebracht. Ein Arzt wurde demnach immer noch nicht zu ihm gelassen.

 Nawalny wiegt laut seinem Team mittlerweile nur noch 77 Kilo - zu Beginn seines Hungerstreiks am 31. März hatte er demnach noch 85 Kilo gewogen. Schon vor seinem Hungerstreik hatte der 1,89 Meter große Nawalny im Straflager stark abgenommen. Bei seiner Ankunft in dem Straflager wog er noch 93 Kilo.

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 Nach Angaben von Nawalnys Anwältin Olga Michailowa ergab eine MRT-Untersuchung, dass Nawalny unter zwei Bandscheibenvorfällen und einer angeschwollenen Bandscheibe leidet. Seine Unterstützer fordern eine Verlegung in ein Krankenhaus. Der Kreml erklärte, Nawalny stehe keine besondere Behandlung zu.

 Nawalny hatte im August des vergangenen Jahres einen Anschlag mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe überlebt. Nach dem Anschlag, für den Nawalny den Kreml verantwortlich macht, wurde der prominente Kritiker von Staatschef Wladimir Putin nach Deutschland geflogen und in der Berliner Charité behandelt. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Russland im Januar wurde er festgenommen.

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 Der Oppositionspolitiker wurde dann wegen angeblicher Verstöße gegen seine Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Haft in einem Straflager verurteilt. Die Entscheidung wurde international scharf verurteilt und löste Massenproteste in Russland aus. Im Februar wurde Nawalny in das Straflager N2 in der Kleinstadt Pokrow rund hundert Kilometer östlich von Moskau gebracht. Es gilt als eines der härtesten Straflager Russlands.

 Nawalnys Team hat inzwischen eine Kampagne für seine Freilassung gestartet und die größten Proteste in der neueren Geschichte Russland angekündigt. Das Datum für die Proteste soll festgelegt werden, sobald sich 500.000 Unterstützer auf einer Internetseite registriert haben. Bis Montag meldeten sich fast 420.000 Menschen an.

 mid/dja

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