Die Unternehmensberater im Traditionshaus


Europas Privatbanken haben es derzeit nicht sonderlich leicht. Die Margen der noblen Häuser schrumpfen, die Zinsen bleiben niedrig und die Kunden ziehen sich zurück. Im vergangenen Jahr gingen die Gewinne der Branche zum ersten Mal seit 2009 zurück. Experten sehen eine weitere Konsolidierung als unvermeidlich. Damit das nicht geschieht, gehen die Vermögensverwalter nun neue Wege. So soll etwa die Union Bancaire Privée, kurz UBP, die Unternehmensberater von McKinsey ins Haus geholt haben. Die Experten sollen dem traditionellen Schweizer Institut, das wahrlich kein Sorgenkind der Branche ist, zeigen an welcher Stelle Wachstum möglich ist. So zumindest berichten es informierte Kreise der Nachrichtenagentur Bloomberg.

In der Finanzwelt ist die UBP kein Unbekannter. Die in Genf ansässige Privatbank war einst Vorreiter bei Investments in Dachfonds. Ihr Gründer Edgar de Picciotto war eines der bekanntesten Gesichter der eidgenössischen Bankierswelt. Nun sollen das Geldhaus den Informationen zufolge McKinsey gebeten haben, dabei zu helfen, neue Kunden zu gewinnen und das Geschäft mit bestehenden auszuweiten. Vor allem beim Vertrieb sollen die Amerikaner für Effizienz sorgen. Weder die UBP noch McKinsey waren zu einer Stellungnahme bereit.


Zuletzt hatten die Schweizer durch das Schlucken kleinerer Konkurrenten versucht Marktanteile zu gewinnen. Dafür nutzten sie die Konsolidierung der Branche. Seit 2011 hat die Bank die Schweizer Tochtergesellschaft der ABN Amro, das Private-Banking-Geschäft der Lloyds Banking Group und das Auslandsgeschäft der Royal Bank of Scotland, das als Coutts International firmierte, erworben. Mit der zuletzt genannten Übernahme sorgte das Schweizer Institut für viel Aufmerksamkeit. Sie machte die UBP zu einem gewichtigen Player auf dem ertragreichen asiatischen Markt.

Die Strategie des externen Wachstums trug Früchte. 2016 konnte man das Betriebsergebnis auf 192 Millionen Franken steigern. Am Ende ergab sich ein Reingewinn von 175,4 Millionen Franken. Auch das verwaltete Vermögen konnte die Privatbank steigern – um knapp acht Prozent auf 118,3 Milliarden Franken. Zuletzt schwächten sich die Zuflüsse ab, die letzten Zahlen von Ende Juni geben 119 Milliarden aus. Das entspricht knapp 103 Milliarden Euro.


Das sind starke Zahlen. Anders als nach der Finanzkrise, als das betreute Vermögen einbrach. Vor allem der Zusammenbruch des Schneeballsystems des berüchtigten Bernard Madoff im Jahre 2008 sorgte für große Abflüsse. Der US-amerikanische Anlagebetrüger hatte den Kunden 700 Millionen Dollar an Verlusten beschert. Zwei Jahre später erklärte sich die UBP bereit, rund 500 Millionen Dollar zu zahlen, um Forderungen der Treuhänder zu begleichen, die die bankrotte Investmentgesellschaft des US-Amerikaners abwickelten.

Die Bank stimmte im Geschäftsjahr 2015 zu, fast 188 Millionen Dollar als Teil eines US-Amnestie-Programms für Dutzende von Schweizer Banken zu zahlen, die Amerikanern einst geholfen haben sollen, Steuern zu entziehen. Für das Renommee der Privatbank war die ganze Affäre ein schwerer Schlag.


Gegründet hatte die Privatbank einst Edgar de Picciotto, das war im Jahr 1969. Die Wurzeln der Bank reichen indes bis ins 17. Jahrhundert zurück. De Picciotto, geboren in Libanon und von jüdischer Abstammung, floh in den 1950ern in die Schweiz. Dort begann seine Karriere als Banker. Die UBP entwickelte sich stark, früh setzte de Picciotto, der 1972 Schweizer Staatsbürger wurde, auf moderne Anlagemethoden. Es waren Hedgefonds die ihn schließlich zum Franken-Milliardär machten. Die UBP wurde ein Begriff, der Bankier selbst erarbeitete sich einen respektablen Leumund.

Heute beschäftigt die UBP rund 1600 Mitarbeiter und ist an weltweit über 20 Standorten aktiv, wie aus eigenen Angaben auf der Webseite hervorgeht. Der Sohn von Edgar, Guy de Picciotto, ist Präsident des Exekutivkomitees für die operative Leitung, während zwei weitere Kinder im Verwaltungsrat sitzen – Anne Rotman de Picciotto und Daniel de Picciotto, der nach dem Tod seines Vaters im März 2016 den Vorsitz übernahm. Dass die Zahlen auch in den schwierigen Zahlen gut bleiben, dabei sollen die Experten von McKinsey den Nachfolgern de Picciottos helfen.