Unternehmen fürchten hohe Kosten durch 5G-Frequenzen

In der Telekommunikationsbranche gibt es die Sorge, dass eine künftige große Koalition über die Versteigerung der Frequenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G womöglich zu viel Geld einnehmen will. Bei der im Jahr 2000 begonnenen Versteigerung der UMTS-Frequenzen habe jeder der Bieter "für ein Stück Papier" 8,5 Milliarden Euro bezahlt", sagte der Chef von Telefònica Deutschland, Markus Haas, dem "Handelsblatt" vom Montag. "Das sollten wir nicht wiederholen."

Das Unternehmen wolle "keine Geschenke vom Staat", sagte Haas der Zeitung weiter. Doch wieder ein kompetitives Versteigerungsverfahren aufzusetzen, der "Industrie das Geld zu entziehen und dann von ihr zu verlangen, auch im Bayrischen Wald und in der Lüneburger Heide in den besten Mobilfunkstandart zu investieren, das wird so nicht funktionieren", sagte der Vorstandschef. In den letzten 17 Jahren seien mehr als 60 Milliarden Euro in Frequenzauktionen geflossen. Das sei etwa so viel, wie Deutschland für eine Glasfaserinfrastruktur bräuchte. "Und wir können das Geld nur einmal ausgeben", sagte Haas dem "Handelsblatt".

Auch die Telekom fordert der Zeitung zufolge, nicht aus politischem Kalkül die Preise für die Frequenzen in die Höhe zu treiben. Sie gehe davon aus, dass die Bundesnetzagentur ein transparentes Verfahren durchführen werde, "dass mit moderater Startpreisfestsetzung dem Markt nicht unnötig Investitionsmittel entzieht, die wir für den Aufbau von 5G verwenden müssen", erklärte ein Sprecher gegenüber dem "Handelsblatt".

Union und SPD hatten sich in ihren Sondierungen darauf verständigt, dass Deutschland bis 2025 flächendeckend mit schnellen Gigabit-Netzen versorgt sein soll. Dafür sollen Erlöse aus der Vergabe von UMTS- und 5G-Lizenzen eingesetzt werden. Den öffentlichen Finanzierungsbedarf beziffern Union und SPD auf zehn bis zwölf Milliarden Euro in dieser Legislaturperiode.

Der Beirat der Bundesnetzagentur, der jeweils zur Hälfte aus Mitgliedern von Bundestag und Bundesrat besteht, wollte am Montag über die 5G-Frequenzen beraten, die ab 2020 mobiles Internet mit deutlich schnellerer Datenübertagung als derzeit mit LTE ermöglichen sollen. Dem "Handelsblatt" zufolge will der Beirat offiziell eine "Knappheit" der Frequenzen festlegen und damit die Grundlage für die Versteigerung legen. Bedingungen an die Vergabe würden dabei allerdings noch nicht festgelegt, berichtete die Zeitung.