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Unterkarpaten: Krieg auch da, wo nicht gekämpft wird

In den Unterkarpaten reihen sich auch ein Jahr nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine neue Soldatengräber aneinander. Sie liegen neben den Gräbern derer, die im Zweiten Weltkrieg, in Afghanistan und auf der Krim gefallen sind.

Unterkarpaten - auch Transkarpatien oder Karpatenukraine - ist eine historische Region im äußersten Westen der Ukraine. Sie grenzt an Rumänien, Ungarn, die Slowakei und Polen.

Alexander trauert um seinen Vater, der vor 3 Monaten während eines Einsatzes umgekommen ist. "Mein Vater konnte erst 9 Monate nach Kriegsbeginn zum ersten Mal nach Hause kommen. Er sagte zu mir 'du musst so stark sein wie ich'. Es war, als ob er geahnt hat, dass er sterben würde."

Zum Neujahrsfest wollte Alexanders Vater eigentlich wieder nach Hause kommen. Aber eine Woche nach seinem Besuch ist er gefallen. Sein Auto ist auf eine Mine gefahren. "Es war ein Schock für die ganze Familie, wir konnten es nicht fassen."

Seine Mutter, sein jüngerer Bruder und seine Schwester wollen nicht, dass auch er Soldat wird. Der 20-Jährige ist jetzt der Ernährer der Familie.

Auch wenn sich viele Menschen in der Ukraine an die Bedingungen des Krieges angepasst haben. Was ihnen angetan wurde, kann niemals vergessen oder vergeben werden, sagen sie.

Die Armee zieht jeden Mann ein, den sie kriegen kann, sagen die Bewohner:innen von Munkács. Zwei Söhne und zwei Enkel der pensionierten Lehrerin Klára Halus kämpfen an der Front.

"Ich habe sie nicht für den Krieg geboren, ich habe sie nicht einmal so erzogen, dass sie das können, einfach so über tote Menschen treten."

Wenn sie den Fernseher einschalte, warte sie auf die Nachricht, dass der Krieg vorbei sei, so Klara. "Wenn ich das eines Tages höre, werde ich so glücklich sein!", sagt Klára Halus auf ungarisch. Die Region gehörte früher zu Ungarn, weshalb hier immer noch viele ungarischsprachige Menschen leben.

Klára will stark bleiben, sie arbeitet ehrenamtlich für eine religiöse Organisation und besucht täglich ihre Schwiegertochter, deren Mann und Sohn an der Front sind. Sie mache sich große Sorgen um sie.

Diana Halus sagt: "Mein ältester Sohn ist sehr klug, er hilft immer, er macht alles. Meine kleine Tochter fragt, wann das alles vorbei ist, sie weint viel. Sie möchte, dass mein Mann, ihr Vater, nach Hause kommt."

In Munkács gehen die Menschen ihrem Alltag nach, Männer im wehrfähigen Alter sind auf den Straßen nur in Uniform zu sehen. Einige von ihnen machen Fotos mit ihren Familien, bevor sie an die Front gehen...

In den Unterkarpaten gibt es zwar keine Kämpfe, aber auch keinen Frieden. Die Jugendlichen müssen von einem Moment auf den anderen erwachsen werden, und die Frauen müssen lernen, allein ohne ihre Männer zurechtzukommen.

Die Menschen hätten sich an die Bedingungen des Krieges angepasst, sagt Euronews-Reporterin Nora Shenouda. "Doch alle, mit denen wir gesprochen haben, wollen nur das Gleiche: Frieden - so schnell wie möglich."