"Unterirdisch": Gladbach tobt nach VAR-Wirbel

Bei den Akteuren von Borussia Mönchengladbach herrschte nach der 1:2-Niederlage beim VfL Bochum eine Mischung aus Wut und Unverständnis. Wie konnte der vermeintliche Ausgleichstreffer von Ramy Bensebaini in der 83. Minute bloß zurückgenommen werden?

„Das ist ein Witz“, fasste es Jonas Hofmann bei Sky zusammen. Trainer Daniel Farke sprach von einer „krassen Fehlentscheidung“ und einer „fachlichen Fehleinschätzung“ des Schiedsrichtergespanns um Daniel Schlager zusammen mit dem VAR. Zudem war es für ihn eine „unterirdische Schiedsrichterleistung, wobei ich das gesamte Gespann einschließen muss“.

Christoph Kramer war die Regel, die hinter der Entscheidung steckt, zwar bekannt, die Auslegung irritierte ihn beim Interview dennoch. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Was war passiert? Der Kölner Keller meldete sich nach dem vermeintlichen Ausgleich von Bensebaini. Flankengeber Hofmann hatte zuvor im Abseits gestanden, obwohl ein Bochumer den Kopfball eines Gladbachers in den Strafraum verlängert hatte und die Kugel somit vom Gegner kam, was eine Abseitsstellung normalerweise aufhebt.

„Krasse Fehleinschätzung“: Farke sauer

Hierbei handelte es sich allerdings um eine „unkontrollierte Aktion“ unter Bedrängnis in der Abwehr des Bochumers, wodurch die Abseitsstellung Hofmanns gegeben war. Diese Regelauslegung wird erst seit Saisonbeginn angewandt. Die Unparteiischen handelten folglich korrekt.

„Aufgrund der neuen Regelauslegung handelt es sich nicht um ein kontrolliertes Spielen, da er sich im Zweikampf befindet. Daher war für uns die Entscheidung Abseits die Konsequenz“, erläuterte Schlager sein Vorgehen.

„Ich kann die Erklärung geben, die der Vierte Offizielle mir gegeben hat. Es war eine nicht geplante Abwehraktion des Bochumer Spielers. Daher hat sich der VAR gemeldet und es wurde Abseits gegeben. Die Szene ist fachlich falsch bewertet und inhaltlich vom VAR vollkommen falsch bewertet. Eine krasse Fehlentscheidung“, erklärte Farke.

„Der Abwehrspieler kann ganz normal sein Bein setzen und den Ball wegspielen. Er trifft ihn einfach nicht richtig und daher geht er nach links. Wenn das eine unkontrollierte Ballaktion sein soll – das ist ein Witz“, meinte Hofmann.

Kramer sagte: „Es ist klar, dass ich das durch die Gladbach-Brille sehe. Aber selbst wenn ich die Gladbach-Brille in die letzte Ecke werfe und die Bochum-Brille anziehe, muss ich sagen, dass es kein Abseits ist“. Er ergänzte: „Meines Erachtens sieht es nicht aus wie ein unkontrollierter Ball. Er sieht nur unkontrolliert aus, da er ihn nicht richtig trifft. Dafür kann die Regel nichts, sondern nur der Spieler. Jeden Tag im Training treffe ich Bälle unkontrolliert, obwohl ich sie kontrolliert hätte treffen können.“

Bochum hofft dank Heimstärke

Bochum schöpfte derweil mit neuer alter Heimstärke wieder Hoffnung im Kampf gegen den Abstieg. Beim letztlich auch glücklichen Sieg gegen Mönchengladbach feierte der Bundesliga-Vorletzte seinen dritten Sieg in Folge im Ruhrstadion und verringerte den Abstand zum rettenden Ufer auf zwei Punkte. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Der letztjährige Aufsteiger, der den Klassenerhalt vor allem dank acht Erfolgen „anne Castroper“ geschafft hatte, war mit drei Heimpleiten in diese Saison gestartet.

Die Gladbacher, die weiter auf ihren ersten Auswärtssieg warten, halfen zunächst tatkräftig mit. Krasse Abwehrfehler gingen den Toren von Christopher Antwi-Adjei (7.) und Philipp Hofmann (12.) voraus, die den ersten Bochumer Heimerfolg gegen die Fohlen seit 16 Jahren perfekt machten. Alassane Pléa gelang nur noch der Anschlusstreffer (63.). (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Olschowsky gibt Debüt im Gladbach-Tor

235 Tage nach dem Becherwurfskandal mit Spielabbruch beim letzten Aufeinandertreffen an selber Stelle stand diesmal der Sport im Mittelpunkt - mit unter dem neuen Trainer Thomas Letsch deutlich verbesserten Bochumern und enttäuschenden Gladbachern.

„Das gibt uns natürlich einen Push. Wir müssen jetzt nur schleunigst auch einmal auswärts punkten“, sagte Bochums Siegtorschütze Hofmann am Sky-Interview, stellte aber zunächst hochzufrieden fest: „Wir sind wieder im Geschäft.“

Weil neben Stammkeeper Yann Sommer kurzfristig auch noch Ersatztorwart Tobias Sippel wegen einer Trainingsverletzung ausfiel, gab Jan Olschowsky im Borussia-Kasten sein Bundesligadebüt. Der 20-Jährige, der normalerweise in der Regionalliga spielt, musste schon nach wenigen Minuten den Ball aus dem Netz holen.

Zunächst dachte er noch, der Treffer von Antwi-Adjei zähle nicht, weil Schiedsrichterassistent Sven Waschitzki-Günther Abseits anzeigte. Doch nach Videobeweis durften die Bochumer jubeln.

Verwirrung um vermeintlichen Gladbach-Ausgleich

Nur fünf Minuten später war Olschowsky erneut geschlagen - nach einem kapitalen Fehler von Nico Elvedi, der nach überstandener Erkältung wieder in die Innenverteidigung gerückt war. Den Fehlpass des Schweizers im eigenen Strafraum nutzte Hofmann zum 2:0.

Die Gladbacher brauchten fast eine halbe Stunde, um einigermaßen ins Spiel zu finden. Dennoch blieb Bochum die gefährlichere Mannschaft, die es immer wieder mit langen Pässen auf den schnellen Antwi-Adjei versuchte. Mit einem Weitschuss verpasste der 28-Jährige nur knapp das 3:0 (41.). Noch größer war die Chance für Hofmann kurz vor dem Pausenpfiff (45.+1).

Nach dem Wiederbeginn traf Iwan Ordez mit einem Kopfball den Pfosten (52.) - längst hätten die Gastgeber höher führen können. So wurde es nach dem 1:2 durch Pléa noch einmal spannend. Das vermeintliche Gäste-Tor von Bensebaini wenige Minuten vor dem Abpfiff zählte zur Freude der Bochumer Spieler und Fans wegen Abseits nicht.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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