Untergräbt US-Präsident Trump die Autorität seines Stabschefs?

Donald Trump soll sich nicht immer an die Empfehlungen seiner hochrangingen Mitarbeiter halten. (Bild: AP Photo/Susan Walsh)

John Kelly wurde von US-Präsident Donald Trump eigentlich ins Amt geholt, um mehr Struktur ins Team des Weißen Hauses zu bringen. Laut Medienberichten soll aber Trump selbst Kellys Anweisungen umgehen.

Wie „Wall Street Journal“ berichtet, habe Trump Mitarbeiter in seine Privatresidenz eingeladen und ihnen Aufgaben erteilt, von denen der Stabschef nichts wissen durfte. Damit wolle der Präsident die deutlich strengeren Regeln umgehen, die Kelly bezüglich Kontaktaufnahme mit dem Präsidenten etabliert hatte. Zudem habe er dem präsidialen Umfeld geraten, sich nicht von Trumps Tweets beeinflussen zu lassen.

„Ich wurde in dieses Amt gehoben, um Informationsfluss zu kontrollieren, der an unseren Präsidenten gerät, damit er die besten Entscheidungen treffen kann“, erklärte Kelly selbst seinen Job während eines Briefings im Weißen Haus im Oktober.

Kelly will laut eigener Aussage verhindern, dass Trumps Umfeld in seinem Büro ein- und ausgehen kann, um ohne Filter mit dem Präsidenten über ihre Anliegen zu sprechen. Auch direkte Telefonanrufe ins Oval Office sollten der Vergangenheit angehören – wer Trump erreichen will, muss einen Termin ausmachen, so Kellys interne Anweisung.

Allerdings sollen sowohl Trump als auch sein Umfeld Wege gefunden haben, diese Regelungen zu umgehen. So soll vor allem First Lady Melania Trump als einfacher Weg gelten, den Präsident zu erreichen. „Wenn ich nicht 24 Stunden lang auf einen Telefonanruf des Präsidenten warten möchte, ist es viel einfacher, Melania zu kontaktieren“, zitiert „Wall Street Journal“ eine nicht namentlich genannte Quelle.

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Eine Sprecherin der First Lady bestreitet diese Vorwürfe vehement: „Das sind einfach weitere Fake News und eine weitere anonyme Quelle, die Dinge verbreitet, die einfach nicht wahr sind. Die First Lady widmet sich ganz ihrer Arbeit im East Wing“, so das offizielle Statement. Das Weiße Haus gab keine Stellungnahme ab.

Kelly wollte strengere Kontrollmaßnahmen im Weißen Haus etablieren. (Bild: AP Photo/Alex Brandon)

„John hatte Erfolg damit, eine strengere Befehlskette zu etablieren, die es erfordert, sich an ihn zu wenden, um ins Oval Office zu gelangen. Das Problem war immer, ob der Präsident diese strengere Disziplin auch akzeptiert. Darin war er weniger erfolgreich“, erklärte Leon Panetta, Stabschef unter Bill Clinton der US-amerikanischen Zeitung.

In Trumps Umfeld betont man die hohe Wertschätzung Kellys. „Das ist alles unvermeidbar. Es ist ja nicht so, dass Mr. Kelly falsch läge – wir wissen alle, dass er ausgesprochen kompetent ist“, zitiert der Artikel eine Trump-nahe Quelle.

Ein hochrangiger, namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Weißen Hauses bringt die Situation auf den Punkt: „Kelly ist einfach zu sehr General und Trump zu sehr Trump“, wird er zitiert. Der US-Präsident habe aber eine sehr hohe Meinung von seinem Stabschef.

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