Der Unruhe-Minister: Warum die Aufregung über Spahn scheinheilig ist

Jürgen Klöckner
Jens Spahn startet furios ins neue Amt.

Europa, Essener Tafel, Armut: Jens Spahn macht gerade mit vielen Themen Schlagzeilen, die nichts mit seiner künftigen Aufgabe als Gesundheitsminister zu tun haben. 

Klar, es äußern sich auch seine künftigen Kabinettskollegen zu allen möglichen Themen - doch niemand macht das so wahrnehmbar und provokant wie der 38-jährige CDU-Politiker.

Der hat noch keinen Tag als Bundesminister hinter sich und wird schon heftig kritisiert - so heftig, wie wohl niemand vor ihm in dieser Position. Aktuell für seine Äußerung, mit Hartz IV habe “jeder das, was er zum Leben braucht.”

Kritik von allen Seiten

► Die Linke fordert nun, Spahn solle kein Minister werden.

► SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil wirft dem CDU-Politiker vor, bei den “Koalitionsverhandlung nicht genug aufgepasst” zu haben.

► Und die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer warnt, gut verdienende Spitzenpolitiker sollten nicht die Gefühle von Hartz-IV-Empfängern erklären.

Spahn bringt Unruhe ins Kabinett, noch bevor er drin ist. Und daran stören sich viele - verständlicherweise.

Schwung und Tatendrang

Man kann über Spahns Aussagen inhaltlich streiten - sein Talent aber, Debatten anzustoßen, wird in den kommenden GroKo-Jahren wohl eher mehr als weniger gebraucht.

► Das ist nicht erst klar, seit Merkel, Seehofer und Scholz heute mit gelangweilten Gesichtern den Koalitionsvertrag vorgestellt und unterschrieben haben.

► Das Regierungsbündnis steht dafür, unaufgeregt das Land zu verwalten und in Notsituation Entscheidung zu treffen, anstatt darüber zu diskutieren.

Spahn belebt die Demokratie, statt ihr zu schaden

Dass sich Spahn nun einer hinter der Ressortdisziplin hervorwagt, belebt die Demokratie, statt ihr zu schaden. 

So hat Spahn mit seinen Äußerungen eine Debatte über Artmut und Hartz IV befeuert, die das Land so intensiv schon lange nicht mehr geführt hat. 

Es ist zwar als designierter Gesundheitsminister nicht Spahns Aufgabe,...

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