UNO warnt vor "katastrophalen" Folgen für Afghanistan ohne internationale Hilfe

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Binnenflüchtlinge in einem Camp in Kabul

Die UNO hat die internationale Staatengemeinschaft aufgerufen, Afghanistan nicht im Stich zu lassen. Anlässlich der Afghanistan-Geberkonferenz in Genf warnte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi am Montag, ohne Hilfe drohten dem Land "katastrophale Konsequenzen". Ein ranghoher US-Diplomat signalisierte Bereitschaft zu weiteren finanziellen Hilfen. Grandi betonte die Bedeutung der Friedensverhandlungen mit den radikalislamischen Taliban, während der afghanische Staatschef Aschraf Ghani von der internationalen Gemeinschaft Unterstützung im Friedensprozess forderte.

Die Zukunft von Millionen Afghanen hänge vom Ergebnis der Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und den radikalislamischen Taliban sowie dem Engagement der internationalen Gemeinschaft ab, sagte Grandi vor der zweitägigen Geberkonferenz unter Leitung der Vereinten Nationen. "Ein Scheitern in jedem der beiden Bereiche würde Afghanistan mit katastrophalen Konsequenzen zurückwerfen", fügte der UN-Flüchtlingskommissar hinzu. Eine Folge seien Flüchtlingsbewegungen von "möglicherweise großem Ausmaß".

Fast 300.000 Menschen seien in diesem Jahr innerhalb des Landes vertrieben worden, knapp drei Millionen in den Jahren zuvor. Weitere neun Millionen Afghanen hätten durch die Corona-Krise ihre Lebensgrundlage verloren, erklärte Grandi. Sie alle benötigten "dringende" humanitäre Unterstützung.

Ghani drängte die Weltgemeinschaft, einen Rahmen auszuarbeiten, um Afghanistan beim Erreichen eines Friedens zu helfen. Dies könne dazu beitragen, "Frieden und politische Stabilität zu garantieren" und gleichzeitig "die damit verbundenen Bedrohungen durch terroristische Netzwerke zu beseitigen". Er war der Konferenz aus Kabul zugeschaltet und soll am Dienstag eine Grundsatzrede halten.

Der Geschäftsträger der USA in Kabul, Ross Wilson, sagte weitere finanzielle Hilfen für Afghanistan zu. "Wir schließen uns der Gebergemeinschaft an und unterstützen Afghanistan auf seinem Weg zur Eigenständigkeit, aufbauend auf den Errungenschaften und Investitionen der vergangenen neunzehn Jahre", teilte er im Kurzbotschaftendienst Twitter mit.

Die in diesem Jahr virtuelle Geberkonferenz findet alle vier Jahre statt. Bei der von Finnland und der afghanischen Regierung organisierten Konferenz sollen Gelder für die Unterstützung des Friedensprozesses im Land am Hindukusch gesammelt werden. Afghanistan ist fast vollständig von ausländischen Zuwendungen abhängig, obwohl Kabul seit 19 Jahren Reformen verspricht.

Zunehmende Gewalt und der von der scheidenden US-Regierung angekündigte Abzug von 2000 weiteren Soldaten bis zum 15. Januar hatten zuletzt die derzeit laufenden Friedensverhandlungen in Doha überschattet. Die Verhandlungen zwischen den radikalislamischen Taliban und der afghanischen Regierung hatten im September in der katarischen Hauptstadt begonnen, kommen aber nur schleppend voran. Kritiker warnen, ein übereilter Abzug der US-Soldaten werde die Aufständischen stärken und deren Verhandlungsbereitschaft sinken lassen.

sip/ck